Serbien an der Schwelle zum Atomzeitalter: Was bringt die Teilnahme am Projekt „Paks 2“?
(FotoPIxabay.com/wostemme)
Mit dem ersten Betonguss Anfang Februar ging Paks 2 von der Vorbereitungsphase in den Bau über. Ungarische Regierungsvertreter sehen das Projekt als Symbol für Energiesouveränität und langfristige Stabilität, da die Laufzeit des Kernkraftwerks mindestens 60 Jahre beträgt und verlängert werden kann. Experten zufolge bedeutet eine stabile Stromerzeugung in einem EU-Mitgliedstaat mehr Sicherheit für die gesamte Region.
- Unsere Regierungsvertreter haben wiederholt bestätigt, dass Serbien eine Beteiligung von 5 bis 10 Prozent erwägt. Das wäre für uns von großer Bedeutung – nicht nur im Hinblick auf die Energiesicherheit, sondern auch für die Personalentwicklung und den Zugang zu modernen Technologien - sagte Vranjković.
- Naši zvaničnici su više puta potvrdili da Srbija razmatra udeo od 5 do 10 odsto. To bi za nas značilo mnogo – ne samo u pogledu energetske sigurnosti, već i u razvoju kadrova i pristupu savremenim tehnologijama - ističe Vranjkovićeva.
Beitritt zur Kernfamilie
Der Direktor des Instituts für Nuklearwissenschaften „Vinča“, Slavko Dimović, ist der Ansicht, dass der Einstieg Serbiens in die Eigentümerstruktur von „Paks 2“ vor allem strategische und psychologische Bedeutung hätte.
- Der Kauf von 5 oder 10 Prozent ist ein guter, aber bei Weitem kein ausreichender Schritt hin zur Energiesouveränität. Dies wäre jedoch Beitritt zur sogenannten Kernfamilie – eine beschleunigte Personalentwicklung und eine intensivere Kommunikation mit der Öffentlichkeit - betont Dimović.
Er fügt hinzu, dass Serbien langfristig nicht nur Investitionen in bestehende Projekte in der Region, sondern auch den Aufbau eigener Kapazitäten benötige.
- Serbien benötigt mindestens zwei konventionelle Kernreaktoren sowie kleine modulare Reaktoren. Der Erwerb einer Beteiligung an Pakš darf den Bau auf eigenem Territorium nicht ausschließen – beides muss parallel erfolgen, so Dimović.
Paks 2 wird vom russischen Konzern Rosatom schlüsselfertig errichtet, der französische Partner ist jedoch ebenfalls am technologischen Prozess beteiligt. Es handelt sich um Reaktoren der neuesten Generation mit verbesserten Sicherheitssystemen.
- Die heutigen Reaktoren sind so konstruiert, dass sich die Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima nicht wiederholen. Strahlenschutz und nukleare Sicherheit entsprechen höchsten Standards - erklärt Dimović.
Er betont, dass die Zusammenarbeit mit allen Ländern, die über nukleares Know-how verfügen, für Serbien von entscheidender Bedeutung ist – von Frankreich, mit dem bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet wurde, bis hin zu anderen europäischen Partnern.
Gesellschaftliche Akzeptanz ist der Schlüssel zum Erfolg des Atomprogramms
Eines der Argumente für Kernenergie ist die stabile und kontinuierliche Produktion, unabhängig von den Wetterbedingungen. Laut Ružica Vranjković verfügt Ungarn bereits über einen der niedrigsten Strompreise in Europa.
- Kernkraftwerke laufen rund um die Uhr und liefern grundlegende Energie. Erneuerbare Energien sind notwendig, aber ohne Kernenergie ist es schwierig, den wachsenden Bedarf zu decken – von der Industrie bis zur Entwicklung künstlicher Intelligenz – betont Vranjković.
Dimović fügt hinzu, dass die gesellschaftliche Akzeptanz der Schlüssel zum Erfolg jedes Nuklearprogramms sei.
- Personal, Technologie und Kapital sind notwendig, aber ohne die Unterstützung der Öffentlichkeit kann das Projekt nicht realisiert werden. Unsere Aufgabe ist es, diesen Prozess transparent und verständlich zu gestalten - betont der Direktor des Instituts für Nuklearwissenschaften „Vinča“.
Sollte die Entscheidung zur Teilnahme an Paks 2 fallen, würde Serbien nach über 35 Jahren den ersten konkreten Schritt zurück zur Kernenergie unternehmen – als Teil einer umfassenderen Strategie zur Sicherstellung einer stabilen und bezahlbaren Stromversorgung.
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