Mögliche Probleme für Serbiens Atomkraftwerkspläne? – EDF reduziert internationale Projekte
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Bei seiner parlamentarischen Anhörung erklärte Fontana, er werde der Entwicklung der inländischen Atomprojekte von EDF Vorrang vor den internationalen Aktivitäten einräumen, die derzeit Hunderte von Mitarbeitern beschäftigen und bereits Reaktoren in China, Finnland und Großbritannien gebaut haben.
Fakt ist, dass sich Frankreich – ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Atomenergie und der größte Atomstromproduzent Europas – vom internationalen Markt zurückzieht. Dies eröffnet Chancen für neue Akteure, bringt aber auch Komplikationen für andere mit sich, darunter Serbien: Hohe Kosten und Designherausforderungen schwächen die globale Wettbewerbsfähigkeit von EDF.
Fontana wurde im April mit der Leitung des staatlichen Energieversorgers beauftragt, nachdem die Regierung über Verzögerungen bei der Sanierung der alternden französischen Atomkraftwerke durch EDF verärgert war. In den letzten Wochen hat er den Quellen zufolge eine Änderung des internationalen Ansatzes des Unternehmens angekündigt, darunter den Rückzug aus mehreren Reaktorausschreibungen außerhalb Europas.
EDF werde sich nun auf Atomausschreibungen in den Niederlanden, Schweden und Finnland konzentrieren – Märkte, in denen es höhere Erfolgschancen sieht, so eine mit den Plänen vertraute Branchenquelle.
Gleichzeitig werde das Unternehmen Projekte in Ländern wie Polen, Indien, Kanada und anderen Ländern außerhalb Europas zurückstufen, so die gleiche Quelle.
Die Reduzierung der weltweiten Aktivitäten werde EDF helfen, Kosten zu senken und Ressourcen auf Projekte mit höherer Priorität umzuverteilen, so eine weitere Branchenquelle.
EDF erklärte, es seien noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden.
- Das neue französische Atomprogramm hat für den Konzern höchste Priorität - sagte ein Beamter aus dem Büro von Premierminister François Bayrou.
Jüngste internationale Projekte von EDF litten unter langen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. Im vergangenen Jahr verlor das Unternehmen eine Ausschreibung für zwei neue Reaktoren in der Tschechischen Republik an die südkoreanische KHNP.
Fontana plant außerdem, den Personalbestand im internationalen Vertrieb zu reduzieren. Quellen zufolge sind rund 60 Stellen gefährdet – zehn davon auf Führungsebene.
- EDF setzt seine internationalen Aktivitäten fort und behält dabei die Rentabilität seiner Verpflichtungen genau im Auge - erklärte das Unternehmen. „Europa hatte für uns immer oberste Priorität, und der Fokus liegt nun auf der Stärkung der europäischen Lieferkette“, sagte ein EDF-Sprecher. Ein Regierungsbeamter fügte hinzu: „Es ist wichtig, dass diese internationalen Projekte zur Stärkung der französischen Atomindustrie beitragen.“
Reuters stellt in allen Aussagen eine einheitliche Botschaft fest. Präsident Emmanuel Macron kündigte Anfang 2022 Pläne zum Bau von sechs neuen Reaktoren in Frankreich an, um veraltete Anlagen zu ersetzen und die zukünftige Energieversorgung zu sichern. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 67 Milliarden Euro. EDF ist jedoch nach Jahren der Reparatur seiner inländischen Anlagen weiterhin hoch verschuldet.
EDF hat außerdem seine Beteiligung an den britischen Projekten Sizewell C und Hinkley Point C reduziert und private Investoren hinzugezogen, um das Risiko zu teilen und Kapital freizusetzen.
Das Unternehmen strebt zudem den Verkauf von Teilen seiner Anlagen im Bereich erneuerbare Energien in Nordamerika und Brasilien an. Seine Tochtergesellschaften Framatome und Arabelle, die Reaktorkomponenten herstellen, werden sich weiterhin um internationale Projekte wie den AP1000 in Polen bewerben, fügte eine Quelle hinzu.
Diese Entwicklung ist besonders für Serbien von Bedeutung. EDF gilt als potenzieller Partner für das erste Kernkraftwerk des Landes und hat bereits eine vorläufige Machbarkeitsstudie für die serbische Regierung abgeschlossen. Ob EDF sich formell zurückziehen wird, ist noch unklar – sicher ist jedoch, dass der ohnehin schon kleine Pool potenzieller Partner weiter schrumpft.
Westinghouse wird voraussichtlich bis zu zehn Reaktoren in den USA bauen, KHNP zieht sich schrittweise aus nicht-asiatischen Projekten zurück, und China zeigt – trotz einer großen inländischen Pipeline – nur begrenzte Ambitionen im Ausland. Rosatom ist weiterhin weltweit aktiv, steht aber aufgrund westlicher Sanktionen vor ernsthaften Finanzierungsproblemen.
Das lässt nur wenige Optionen. Was Serbiens geplantes Atomprojekt betrifft – zu dem es bisher kaum konkrete Aktivitäten gab – bleibt die Zukunft ungewiss.
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