Niedrigere Beiträge verringern Einnahmen der Krankenkasse um 37 Mrd. Dinar - Können Privatunternehmen "kollabiertes Gesundheitswesen" retten?
Montag, 30.06.2014.
17:10
Durch Änderung des Gesetzes über Sozialbeiträge werden Einnahmen der staatlichen Krankenkasse um 18 Mrd. Dinar in einem Zeitraum von sechs Monaten bzw. um 37 Mrd. Dinar auf dem jährlichen Niveau gesenkt - bestätigte man uns in der Republikkrankenkasse RFZO.
Zuständige im Fonds wollten aber die Entscheidung der Regierung Serbiens, Beiträge für die Krankenversicherung von 12,30 auf 10,3% zu senken, um die Beiträge für die Renten- und Invalidenversicherung von 24 auf 26% zu erhöhen, nicht weiter kommentieren. Sie sagten uns nur, dass sie nur für die "Verwaltung des Gesundheitswesens zuständig sind, und deshalb im Einklang mit den Entscheidungen der Regierung Serbiens und des Gesundheitsministeriums handeln werden.
Die Beantwortung von Fragen, ob die zusätzliche Verringerung von Beiträgen für die Krankenversicherung die Qualität des Gesundheitsschutzes beinträchtigen wird und wie man das fehlende Geld verschaffen wird, wird auch von Verantwortlichen im Gesundheitsministerium vermieden. Aus der Nemanjina Straße haben wir nur eine allgemeine Reaktion bekommen: "Das Ministerium bemüht sich maximal darum, dass sich geringere Beiträge für die Krankenversicherung nicht negativ auf das System der Krankheitsversicherung und des ganzen Gesundheitsschutzes in Serbien auswirken".
Die einzige konkrete Antwort bekamen wir von der Ärztekammer Serbiens. Die Direktorin Tatjana Radosavljević ist der Meinung, dass man durch diese Entscheidung "die Ruinierung des Gesundheitswesens in Serbien nur fortsetzt". Die Summe, die man für die Krankenversicherung der Bürger einzahlt, wird dadurch auf 200 EUR/Kopf jährlich fallen. Die Niederlande, die den ersten Platz der oben erwähnten Rangliste "Index Health consumer" belegen, geben 4.600 EUR zu diesen Zwecken aus.
- Die Finanzierung des Gesundheitswesens sollte nicht als Ausgabe wie bei uns betrachtet werden. Es handelt sich viel mehr um Investition in die Gesundheit der Bürger, die nur als gesund arbeiten und zur Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts beitragen können - so Radosavljević.
Der Finanzminister Lazar Krstić sieht die erwähnten Maßnahmen als Voraussetzung für die Konsolidierung des Staatshaushalts. Alles, "was der Krankenkasse fehlen wird, sollte nach dem Haushaltsausgleich direkt aus dem Budget erstattet werden".
Das bedeutet aber nicht, dass man das Konzept der Krankenversicherung verändern wird, sagte der Finanzminister.
Neue Maßnahmen der Regierung entfachten die Diskussion über die Beteiligung des Privatsektors am Gesundheitssystem und die mögliche Wende im Konzept der Gesundheitspolitik.
Serbien ist noch immer einziges Land in Evropa, wo Privatpraxis vom staatlichen Gesundheitssystem völlig getrennt ist. Man glaubt, dass der Privatsektor nur 30-50% seiner Kapazitäten nutzt, während man in staatlichen Gesundheitseinrichtungen monatelang auf die Diagnostik und Behandlung warten muss. Der Privatsektor beschäftigt ca. 3.000 Ärzte, verfügt über modernste Ausstattung und engagiert angesehene Ärzte aus staatlichen Gesundheitseinrichtungne als Berater.
Radosavljević ist der Meinung, dass die Beteiligung der Privatpraxis am Gesundheitssystem des Landes unausweichlich für die Verbesserung der Situation ist.
- Bürger könnten mit ihren Krankenversicherungskarten zum staatlichen oder privaten Arzt gehen, und die Privatpraxis würde durch bessere Qualität um mehr Patienten kampfen. Durch Nutzung der bestehenden Ressourcen des Privatsektors, durch Vermietung von Operationssälen an die Privatpraxis am Nachmittag konnte man die Wartelisten verkürzen und zugleich die Finanzlage der staatlichen Krankenhäuser und Kliniken verbessern. Ihre Direktoren könnten auch zeigen, ob sie gute Manager sind - sagte Radosavljević und fügte hinzu, dass der Geldmangel eine schlechte Ausrede für das Nichtstun.
Die Ärztekammer Serbiens erstellte vor drei Jahren ein strategisches Dokument - Durchführbarkeitsstudie für die Beteiligung der Privatpraxis am Gesundheitssystem Serbiens. Niemand, außer der Weltbank, hat seitdem Interesse oder politischen Willen dafür gezeigt. Das Ministerium hat so etwas angekündit, hat aber inzwischen nicht viel getan.
Das aktuelle Gesundheitsministerium hat Koordinatoren für bestimmte Sektoren des Gesundheitswesens ernannt, um den Gesundheitsschutz zu verbessern und Wartelisten zu verkürzen. Diese Koordinatoren sollten bald einen Vorschlag für die Verkürzung von Wartelisten geben, gab der Gesundheitsminister Zlatibor Lončar bekannt. Es ist aber ungewiss, ob dieser Vorschlag die Teilnahme des Privatsektors am Gesundheitssystem enthalten wird. Das Ministerium sagt, dass man zunächst menschliche und materiale Potenziale staatlicher Gesundheitseinrichtungen analyisieren wird, bevor die Teilnahme des Privatsektors überleggt wird.
Viele Länder in der Umgebung haben inzwischen die Privatpraxis in das Gesundkeitswesen ikorporiert. Patienten in Montenegro können ab diesem Jahr in 14 privaten Praxen behandelt werden, wenn sie in staatlichen Gesundheitseinrichtungne nicht behandelt werden können.
Ivana Bezarević
Republički fond za zdravstveno osiguranje Beograd
Ministarstvo zdravlja Republike Srbije
Lekarska komora Srbije Beograd
Vlada Republike Srbije

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