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Presse: Deutsche Unternehmen verlagern ihren Standort nach Ungarn und Serbien aufgrund deutlich günstigerer Arbeitskräfte

Quelle: Deutsche Welle Freitag, 06.02.2026. 11:45
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Podeli
Abbildung (FotoShutterstock/4045)Abbildung
Die Berliner Zeitung hat dem Phänomen der Verlagerung deutscher Produktionskapazitäten in Länder mit niedrigeren Lohnkosten – in Europa insbesondere Ungarn und Serbien – eine ausführliche Analyse gewidmet. Der Autor des Artikels, Journalist Alexander Dergay, stellt fest, dass während in Zwickau (Sachsen) und Schwäbisch Gmund (Baden-Württemberg) die Lichter ausgehen, in Debrecen, Kecskemét und Novi Sad Hightech-Fabriken entstehen. Deutsche Konzerne und globale Marken verlagern ihre Produktion massenhaft nach Ungarn und Serbien – von Autoteilen bis hin zu Klebstoffen – angelockt von bis zu 70 % niedrigeren Löhnen als in Deutschland und einer investorenfreundlichen Politik.

Der Text führt Beispiele an: 2023 schloss der britisch-deutsche Autoteilehersteller GKN Driveline seinen Standort in Zwickau-Mosel, und mehr als 800 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze, obwohl das Unternehmen keine Verluste gemacht hatte. Gleichzeitig wurde in Miskolc (Ungarn) mit staatlichen Subventionen ein neues Achswellenwerk errichtet.

Als Beispiel wird der Düsseldorfer Konzern Henkel angeführt, der 2024 sein Klebstoffwerk bei Dresden schloss und die Produktion nach Kornye in Ungarn verlagerte. Auch der Stuttgarter Automobilzulieferer Mahle schloss 2022 sein Werk in Freiberg, Sachsen. Der Autor merkt an, dass die deutsche Automobilindustrie trotz Werksschließungen in Ostdeutschland und darüber hinaus Milliarden in Ungarn investiert.

– BMW eröffnete 2025 nach zwei Jahrzehnten sein erstes europäisches Werk in Debrecen. Über zwei Milliarden Euro wurden in das hochmoderne Werk investiert, in dem ausschließlich elektrische Fahrzeuge der neuen Klasse produziert werden. Langfristig sollen mehr als 2.000 Arbeitsplätze entstehen. Im Februar 2025 kündigte Mercedes die Erweiterung seines bestehenden Werks in Kecskemét, Ungarn, um eine Milliarde Euro an. Mercedes gab außerdem bekannt, dass der Anteil der Produktion in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten bis 2030 von 15 auf 30 Prozent steigen soll. Die Produktionskosten in Ungarn liegen rund 70 Prozent niedriger als in Deutschland. Darüber hinaus errichtet der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen zwei neue Werke in Ungarn, in Kecskemét und Debrecen. Bosch eröffnete Anfang 2025 ein neues Logistikzentrum in Miskolc mit einem Investitionsvolumen von 147,6 Millionen Euro.

Serbien – Freihandel mit der EU, Eurasien und China

Serbien, das kein EU-Mitglied ist, zieht ebenfalls deutsche Industrieunternehmen an. Im Februar 2023 eröffnete Continental ein Hightech-Elektronikwerk in Kac bei Novi Sad. Die 30.000 Quadratmeter große Anlage produziert Displays und Infotainmentsysteme. Der Konzern hat rund 150 Millionen Euro investiert, und es sollen etwa 1.500 Arbeitsplätze entstehen.

Seit 2019 betreibt ZF ein Werk in Pančevo, in dem Elektromotoren und Getriebeteile gefertigt werden. 2023 wurde die Produktion um Elektronik für Hybridfahrzeuge erweitert. Der Abgasanlagenspezialist Boysen eröffnete 2021 sein größtes Werk im Ausland in Subotica. 65 Millionen Euro wurden in das Werk investiert, das komplette Abgasanlagen für Mercedes und Audi produziert und 500 Mitarbeiter beschäftigt.

– Serbien lockt Investoren mit einem einzigartigen Vorteil. Das Land hat Freihandelsabkommen mit der EU, der Eurasischen Wirtschaftsunion, der Türkei, dem Vereinigten Königreich und ab Oktober 2023 auch mit China. In Serbien produzierte Waren können zollfrei in Märkte mit insgesamt rund 2,7 Milliarden Konsumenten exportiert werden. In 15 Freihandelszonen profitieren Unternehmen zudem von Zollbefreiungen auf importierte Materialien und Maschinen sowie von Steuervergünstigungen – so der Text.

Der Text hebt außerdem hervor, dass beispielsweise die ungarischen Arbeitskosten dreimal niedriger sind als die deutschen (1.500 Euro brutto gegenüber 4.600 Euro brutto in Deutschland) und der Körperschaftsteuersatz mit 9 % der niedrigste in Europa ist. In Deutschland liegt die Steuerbelastung bei rund 30 %. Auch Energie ist in Ungarn günstiger. Darüber hinaus wirbt die Regierung mit einer Reihe von Maßnahmen um ausländische Investoren: Subventionen, Steuererleichterungen, günstige Baugrundstücke und beschleunigte Genehmigungsverfahren.

– Marko Graf, Geschäftsführer der Handelskammer Osnabrück, kritisiert die deutschen Bedingungen. In Deutschland werde Investoren leider allzu selten der berühmte rote Teppich ausgerollt. Spätestens in der Umsetzungsphase hole sie die Bürokratie ein. In Ungarn und Serbien hingegen würden Investoren mit offenen Armen empfangen, Verfahren beschleunigt und Probleme pragmatisch gelöst, betont der Text.

Es wird zudem angemerkt, dass die Abwanderung nicht nur Ostdeutschland betrifft. Auch das wirtschaftlich stärkste deutsche Bundesland Baden-Württemberg ist betroffen. Bosch kündigte an, bis 2030 die gesamte Produktion von Lkw-Komponenten nach Ungarn zu verlagern. Der ZF-Konzern gab bekannt, bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abzubauen. Gewerkschaften warnen, dass die Gegenmaßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung der Unternehmen nicht die erwartete Wirkung zeigen.

– Die aktuellen Werksschließungen erinnern an die 1990er-Jahre, als nach der Wiedervereinigung unzählige Industrieanlagen in Ostdeutschland verschwanden – heißt es weiter.

Die Region zwischen Budapest und Belgrad, so der Text, zieht nicht nur deutsche Investoren an. Der chinesische Elektroautohersteller BYD baut sein erstes europäisches Werk in Szeged, Ungarn, nahe der serbischen Grenze. Die ungarische Regierung bewirbt das Projekt als eine der größten Investitionen in der Geschichte des Landes. Die mit chinesischem Kapital finanzierte Bahnstrecke zwischen Belgrad und Budapest soll die Logistik verbessern.

Bereits 2022 stammte ein Fünftel aller serbischen Exporte aus der Automobilindustrie. Das Land hat sich von einem Agrarstaat zu einem festen Bestandteil der europäischen Lieferketten entwickelt.

Deutschland verliert seine einst einzigartigen Standortvorteile. Jahrzehntelang galt die deutsche Industrie als führend in Qualität und Produktivität, und der Slogan „Made in Germany“ war ein wertvolles Gütesiegel. Ungarn und Serbien haben zu diesem Niveau aufgeholt. Deutsche Unternehmen loben ausdrücklich die Qualifikation, Produktivität und Arbeitsmoral ihrer lokalen Mitarbeiter – so der Text.

Werke wie das ZF-Werk in Pančevo sind hochautomatisiert und rational organisiert, ohne die historisch gewachsenen Strukturen alter deutscher Fabriken. Wenn Forschung und Entwicklung des Konzerns nun mit der Produktion verlagert werden, gibt es kaum noch einen Grund, die Produktion in teureren Regionen zu halten. ZF eröffnete 2023 ein eigenes Entwicklungszentrum in Novi Sad mit 150 Ingenieuren, die an elektrischen Antrieben der nächsten Generation arbeiten. Hochqualifizierte Bereiche werden direkt in Serbien aufgebaut und nicht mehr unbedingt in Deutschland.

Die Kombination aus Kosteneinsparungen, Anreizen und strategischer Zukunftsplanung führt derzeit dazu, dass deutsche Wirtschaftsführer Osteuropa zunehmend Deutschland vorziehen, so das Fazit des Textes.

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