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Werden serbische Freiberufler aufgrund des neuen Gesetzes in den USA amerikanische Kunden verlieren?

Quelle: Biznis.rs Dienstag, 04.11.2025. 19:55
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Podeli
Abbildung (FotoUnsplash / Ilias Haddad)Abbildung
Der Anfang September im US-Senat eingebrachte Gesetzentwurf HIRE Act (Halting International Relocation of Employment Act) löste weltweit heftige Reaktionen aus. Kern des Gesetzes ist, dass die USA Arbeitsplätze im Inland halten und nicht durch Outsourcing ins Ausland „exportieren“ wollen.

Die geplante Umsetzung könnte die Beziehungen auf dem globalen Markt für digitale Dienstleistungen jedoch grundlegend verändern. Laut dem Gesetzentwurf müssten amerikanische Unternehmen eine zusätzliche Steuer von 25 % auf alle Zahlungen an ausländische Outsourcing-Firmen zahlen, also an solche, die Dienstleistungen für amerikanische Verbraucher außerhalb der USA erbringen. Zudem würde die Möglichkeit des Steuerabzugs dieser Ausgaben entfallen, d. h. Zahlungen ins Ausland würden bei der Berechnung der Einkommensteuer nicht mehr als Betriebsausgaben angerechnet.

Alle Zahlungen müssten gemeldet werden, und die Einnahmen aus dieser Steuer würden in einen Fonds für die Aus- und Weiterbildung amerikanischer Arbeitnehmer fließen. Der Gesetzgeber beabsichtigt damit, die Beschäftigung im heimischen IT-Sektor zu fördern, die Abhängigkeit von ausländischen Mitarbeitern zu verringern und die amerikanische Arbeitskräfte zu stärken.

Obwohl die Steuer von amerikanischen Unternehmen gezahlt werden soll, könnten die Auswirkungen auch ausländische IT-Dienstleistungsexporteure, darunter Serbien, treffen. Wie die Steuerberaterin Gordana Aritonović erklärt, würden US-Unternehmen, die ihre Geschäftskosten beibehalten wollen, wahrscheinlich versuchen, die Gehälter ihrer ausländischen Mitarbeiter zu senken.

- Um das bestehende Budget zu halten, müssten die Gehälter um etwa 20 % reduziert werden. Berücksichtigt man, dass diese Zahlungen nicht mehr als Betriebsausgaben anerkannt würden, ist eine Reduzierung von bis zu 35 bis 40 % realistisch - so Aritonović.

Anders ausgedrückt: Die Steuer wird zwar formal von US-amerikanischer Seite gezahlt, die finanzielle Belastung könnte aber auch ausländische Arbeitskräfte treffen – Freiberufler, Entwickler und Outsourcing-Unternehmen, die mit US-amerikanischen Kunden zusammenarbeiten. Trotz der reißerischen Schlagzeilen in den Medien betont Gordana Aritonović, dass es in den USA derzeit schlichtweg nicht genügend einheimische Arbeitskräfte gibt, um ausländische IT-Mitarbeiter zu ersetzen.

- Das Gesetz befindet sich noch im Entwurfsstadium, ohne klare Unterstützung aus der Fachwelt und ohne präzise Ausarbeitung für die praktische Umsetzung. Daher bestehe derzeit kein Grund zur Panik, so Aritonović.

Ihrer Ansicht nach ist der amerikanische Arbeitsmarkt im IT-Sektor weiterhin auf internationale Expertise angewiesen.

- Sollte das Gesetz in Kraft treten, wäre die Umsetzung kompliziert, und amerikanische Unternehmen könnten ihren Wettbewerbsvorteil verlieren. Daher sei die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Umsetzung des HIRE Act relativ gering - erklärt Aritonović und rät serbischen IT-Unternehmen und Freiberuflern, die Entwicklung der Situation aufmerksam zu verfolgen, da die mögliche Umsetzung dieser Maßnahmen Auswirkungen auf Preise und die Art der Auftragsvergabe haben könne.

Die Ankündigung des HIRE Act fiel mit Veränderungen im globalen Gig-Sektor zusammen. Auf der bekanntesten Plattform Upwork ist die Zahl der aktiven Arbeitskräfte aus Serbien laut Daten von Gigmeter vom Mai dieses Jahres in den letzten sechs Monaten um 3 % gesunken. Verglichen mit dem Zeitraum, in dem der Rückgang fast 19 % betrug, kann dieser leichte Rückgang jedoch als Stabilisierung interpretiert werden.

Laut einer Analyse von Gigmeter liegt der Grund in einer Kombination von Faktoren: Angebotssättigung, bessere Jobmöglichkeiten im Inland und die kontinuierliche Abwanderung von Arbeitskräften aus Serbien (jährlich zwischen 25.000 und 27.000 Personen). Trotzdem bleibt der digitale Sektor dynamisch und gefragt, insbesondere in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Softwareentwicklung, wo die Gehälter bis zu 45 % höher liegen als in anderen IT-Bereichen.

Untersuchungen zeigen, dass aktuell 43 % der Gig-Worker aktive Projekte haben, was einem Anstieg von 1,5 Prozentpunkten entspricht. Dieses Wachstum betrifft jedoch hauptsächlich erfahrene Fachkräfte. Berufsanfänger haben immer geringere Chancen auf eine Anstellung, da Unternehmen nach bewährten Experten suchen.

Ein Trend unter serbischen Freelancern ist ein Wandel in der Denkweise. War vor wenigen Jahren noch Flexibilität der Hauptgrund für den Einstieg in die Gig-Economy, suchen heute immer mehr Arbeitnehmer Sicherheit und Stabilität.

Laut aktuellen Studien wünschen sich mittlerweile 44,9 % der Freiberufler eine langfristige Geschäftsbeziehung mit ihren Kunden, während dieser Anteil zuvor nur bei 12,9 % lag. Dieser Wandel ist bei Berufsanfängern noch deutlicher ausgeprägt – insbesondere diejenigen ohne Vorkenntnisse suchen zunehmend nach einer Festanstellung.
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