(FotoĐorđe Mojić)
Vor über drei Jahrzehnten entwarf der Physiker, Innovator und Visionär Đorđe Mojić das Ökomobil, ein seiner Zeit vorauseilendes Elektroauto für die Stadt. Heute erhält dieses Pionierprojekt eine neue Chance und einen umfassenderen Zweck: Es soll ein Symbol für nachhaltige Mobilität und eine offene Plattform für die Zusammenarbeit zwischen heimischer Industrie, Bildung und Gesellschaft werden.
Schon als Student der Atomphysik verstand Mojić, wie er sagt, dass „das Universum zu einfachen, aber leistungsstarken Lösungen tendiert“. Dieser Ansatz führte ihn durch zahlreiche Positionen – vom Redakteur der wissenschaftlich-technischen Redaktion des Kulturzentrums Novi Sad und Gründer der Zeitschrift YU 21 über die Gründung des Unternehmens TEGA bis hin zu einer Reihe experimenteller Projekte, darunter die ersten Hängegleiter mit Motor, Erdhütten, ein Schneefahrzeug und schließlich das Ökomobil.
- Die Frage, die mich leitete, war einfach: Warum müssen Stadtautos sperrig, laut und umweltschädlich sein? - sagt Mojić, der heutige Inhaber des Unternehmens Epicentar.
Das Ökomobil wurde als Antwort auf die Bedürfnisse des Durchschnittsbürgers entwickelt – leise, sauber und effizient bis zu 20 Kilometer pro Tag zu fahren.
- Es war ein Auto mit Seele, einer Idee und einem Zweck – eine kleine Rebellion gegen sinnlosen technologischen Größenwahn - sagt er.
Mehr als ein Fahrzeug – Ökomobil als Konzept und Bildungsinstrument
Das Ökomobil hat heute eine völlig neue Dimension erreicht. Neben seinem Beitrag zur städtischen Mobilität und zum ländlichen Verkehr sieht Mojić Potenzial in den Bereichen Bildung, Tourismus, Lieferverkehr und sogar soziale Inklusion.
- Es kann als Fahrzeug für Ärzte in Dörfern, für Kurierdienste, aber auch als Arbeitsmittel für Schüler technischer Schulen dienen. Junge Menschen könnten an einem konkreten Projekt lernen, wie ein Elektroantrieb funktioniert, wie man Entwicklung steuert und im Team zusammenarbeitet - sagt Mojić und fügt hinzu: „Das Ökomobil ist mehr als ein Fahrzeug – es ist eine Entwicklungsphilosophie.“
Nullserie bereits vereinbart, Marktgröße: Zehntausende Nutzer
- Wir haben die erste Nullserie mit dem Unternehmen Agrosk aus Novi Sad vereinbart - verrät Mojić.
Gleichzeitig wurde mithilfe künstlicher Intelligenz eine Bewertung des Marktpotenzials erstellt – bis zu 10.000 Fahrzeuge in der Anfangsphase, während eine stärkere Einbindung des öffentlichen Sektors und der Gemeinden bis zu 100.000 Nutzer in Serbien bringen kann.
Die technische Modernisierung umfasst die Zusammenarbeit mit einheimischen Herstellern von Batterien, Elektromotoren und Bremssystemen sowie einen Schwerpunkt auf Sicherheit und Design. Ein wesentlicher Bestandteil des Plans ist die Verwendung möglichst vieler im Inland produzierter Komponenten.
Offene Plattform statt geschlossenem Geschäftsmodell
Das größte Ziel des Projekts ist es, eine offene Plattform für Kooperation zu werden, auf der Universitäten, Ingenieure, Hersteller und Studierende zusammenarbeiten.
- Ich möchte nicht, dass das Ökomobil ein weiteres geschlossenes Produkt mit einem Chef ist. Stattdessen möchte ich, dass Menschen, Wissen und Ideen zu einer neuen Währung werden – implizites Kapital, das Innovationen vorantreibt - erklärt Mojić.
Potenzial für eine neue Industriepolitik
- Im größeren Kontext betrachtet, kann dieses Projekt die heimische Automobilindustrie aktivieren, handwerkliche Kapazitäten wiederbeleben und verschiedene Sektoren zu einem nachhaltigen Ganzen verbinden. Das ist nicht mehr mein Start-up – das ist Serbiens Chance - betont der Interviewpartner.
Institutionelle und Investitionsförderung erforderlich
Obwohl bereits bedeutende Fortschritte erzielt wurden, würde die Unterstützung durch den Staat und inländische Investoren die Umsetzung deutlich beschleunigen.
- Der Staat verfügt über Fördermechanismen, aber unsere Herausforderungen gehen über den Rahmen eines klassischen Start-ups hinaus – Zertifizierung, Organisation der Serienproduktion, Bau einer Fabrik und Marketing sind erforderlich. Deshalb haben wir das Konzept einer offenen Plattform entwickelt, die eine systemische Lösung darstellen könnte - so Mojić
abschließend.