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Nordhavn: Eine durchdachte urbane Transformation eines Industriehafens nach dänischer Art

Quelle: eKapija Donnerstag, 29.05.2025. 11:36
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Podeli
(FotoDejan Aleksić)
Der Norden Europas ist mit dem Handelshafen geschmückt. Innerhalb dieses seit Jahrhunderten bekannten Hafens befinden sich zwei kleinere, die jeweils aufgrund ihrer eigenen Besonderheiten sehr interessant sind. Dank seiner fotogenen Natur ist Neuer Hafen seit Jahrzehnten ein beliebtes Fotomotiv für Touristen, die die Stadt besuchen, sowohl wegen ihrer Schönheit als auch wegen ihres unkonventionellen Flairs. Andererseits hat in den letzten Jahren im Rahmen des Handelshafens auch der Nordhafen, das derzeit größte Stadtentwicklungsprojekt Skandinaviens, zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen.

Um die Geschichte verständlicher zu machen, ist es notwendig, auf die offiziellen Namen zurückzukommen. Wir sprechen von Kopenhagen (wörtlich „Handelshafen“) und den Stadtteilen Nyhavn („Neuer Hafen“) und Nordhavn („Nördlicher Hafen“). Über das sehr beliebte Touristenviertel Nyhavn gibt es viele Geschichten, doch was Nordhavn betrifft, so ist es ein Teil Kopenhagens, der erst in den letzten zehn Jahren Aufmerksamkeit erregt hat und dessen Bedeutung voraussichtlich auch in Zukunft weiter zunehmen wird.

Und wie könnte es auch anders sein, denn es geht um eine detaillierte städtebauliche Umgestaltung des gleichnamigen ehemaligen Industriehafens in ein modernes Wohn- und Geschäftsviertel Kopenhagens. Man fragt sich, worin sich dies von Belgrad unterscheidet, wo ehemalige Industriegebiete und Hafengebiete in den letzten Jahren ebenfalls in Wohn- und Geschäftsviertel umgewandelt wurden. Formal vielleicht nicht, aber im Wesentlichen und in der Art und Weise, wie, in vielerlei Hinsicht. Vor allem im urbanen Denken und in der langfristigen Planung der Stadtentwicklung.

(FotoDejan Aleksić)

Die Stadt Kopenhagen und die dänischen Behörden starteten Ende des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts das Projekt zur Umwandlung des ehemaligen Hafens in ein Wohn- und Geschäftsviertel. Im Rahmen dieses Projekts wurde auch ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Ziel ist es, das Hafengebiet schrittweise in einen modernen, nachhaltigen Stadtteil Kopenhagens umzuwandeln. Nach seiner Fertigstellung (aktuellen Schätzungen zufolge in etwa 20 bis 30 Jahren) wird es rund 80.000 Menschen beherbergen, von denen 40.000 dort wohnen und weitere 40.000 arbeiten werden.

- Wenn wir in Kopenhagen Siedlungen bauen, streben wir eine Mischung aus Gewerbegebäuden und Wohngebieten bzw. Wohnungen an. Das Nordhavn-Projekt wird auf einer Fläche von rund 300 Hektar entwickelt. Derzeit leben dort rund 20.000 Menschen - so Stadtführer Jorn Madsen.

Nordhavn besteht bereits aus zahlreichen modernen Wohn- und Geschäftsgebäuden. Es gibt jedoch auch einige alte Gebäude, die für Kopenhagen historisch bedeutsam sind und in den letzten Jahren im Zuge der Umgestaltung des ehemaligen Hafengebiets revitalisiert und umfassend renoviert wurden. Einige andere alte Gebäude, wie beispielsweise Silos, wurden zu Gewerbe- und Wohngebäuden umgebaut.

Ein Netzwerk von Kanälen zwischen Gebäuden (FotoDejan Aleksić)<span class="HwtZe"><span class="jCAhz><span class=">Ein Netzwerk von Kanälen zwischen Gebäuden</span></span>

Wie Madsen betont, sind viele Gebäude in Kopenhagen nicht ohne Grund aus Ziegeln gebaut, da Ziegel ein hochwertiges Dämmmaterial sind. Auch im Nordhavn kommen bewährte Baupraktiken zum Einsatz, aber auch einige Innovationen. So wird im Rahmen dieses Stadtentwicklungsprojekts nun auch ein System zur Erhöhung von Gebäuden auf Holzkonstruktionen eingesetzt. Madsen weist darauf hin, dass dieses Bausystem in Dänemark relativ neu ist und man sich noch in der Entwicklung befindet. Der Entstehungsprozess einer solchen Anlage wurde auch von einer Gruppe serbischer Journalisten live miterlebt, die den Nordhavn im Rahmen eines Medienbesuchs in Dänemark im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Puls Europas“ besuchten.

Bau eines Gebäudes in Holzkonstruktion (FotoDejan Aleksić)<span class="HwtZe"><span class="jCAhz><span class=">Bau eines Gebäudes in Holzkonstruktion</span></span>

Neben der Bauqualität von Wohn- und Geschäftsgebäuden legt Nordhavn auch großen Wert auf die Gestaltung öffentlicher Räume, der Bereiche zwischen den Gebäuden. Denn nur so können sich die Menschen, die dort leben und sich täglich aufhalten, wohlfühlen und miteinander verbunden sein. Ein Motto von Nordhavn, betont er, lautet „Leben zwischen den Häusern“.

Nicht ohne Grund finden sich zwischen den Gebäuden neben gepflegten Grünflächen, begrünten Spielplätzen und Ruhezonen auch Tische und Stühle für gemütliche Kaffeepausen mit den Nachbarn. Darüber hinaus erhalten die Mieter der Gebäude, wie er erklärt, zusätzliche Mittel, um die Räume nach ihren Wünschen zu gestalten. Eine Besonderheit von Nordhavn ist laut Madsen auch der erste Wasserspielplatz Kopenhagens für die Kleinsten.

Wasserspielplatz (FotoDejan Aleksić)<span class="HwtZe"><span class="jCAhz><span class=">Wasserspielplatz

Apropos Wasser: Obwohl diese Stadt in der Stadt auf dem Gelände des ehemaligen Hafens entsteht, ist das Wasser außergewöhnlich sauber, betont Madsen. Nordhavn besteht aus zahlreichen Kanälen, und auf den größeren Wasserflächen innerhalb der Siedlung bemerkte eine Gruppe serbischer Journalisten, dick gekleidet, als sie an einem kühlen Maimorgen diesen Teil Kopenhagens besichtigten, mehrere Bewohner, die ein Bad nahmen und nach dieser Erfrischung, ohne auch nur im Geringsten zu frieren, in ihre Wohnungen zurückkehrten.

In diesem Kopenhagener Viertel sind außerdem viele Bäume zu sehen. Neben jedem Baum steht ein grüner Sack. Madsen erklärt, dass dies der Pflege und Bewässerung der Bäume dient und jeder Baum täglich 20 Liter Wasser erhält.

Uns fiel noch etwas auf: Es gibt zwar Autos im Nordhavn, aber wir konnten nirgendwo mit ihnen verstopfte Wege entdecken. Und das aus gutem Grund: Wie Madsen verriet, befindet sich unter dem Wasser, also unter der Siedlung, eine große Garage. Viele Bewohner und Arbeiter im Nordhavn, wie auch viele andere Kopenhagener, nutzten das Fahrrad als Verkehrsmittel, da es einen speziell eingerichteten Express-Fahrradweg vom Nordhavn ins Stadtzentrum gebe, der die Strecke in zehn bis fünfzehn Minuten zurücklege. Wer weder Fahrrad noch Auto fahre, könne die U-Bahn nutzen, die alle vier Minuten fahre. Man müsse also nicht auf die Uhr schauen, um zu sehen, wann sie ankomme, fügt Madsen hinzu und scherzt, dass man das Zentrum dank des gut ausgebauten Kanalnetzes auch mit dem Kajak erreichen könne.

Internationale Schule (FotoDejan Aleksić)<span class="HwtZe"><span class="jCAhz><span class=">Internationale Schule</span></span>

Darüber hinaus gibt es im Nordhavn eine internationale Schule für, wie er sagt, rund 1.200 Kinder.

All diese Details und die Nachhaltigkeit in einem solchen Viertel haben natürlich ihren Preis: Im Nordhavn liege dieser bei 10.000 Euro oder etwa 80.000 Dänischen Kronen pro Quadratmeter.

Jorn Madsen (FotoDejan Aleksić)Jorn Madsen

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich nur Wohlhabende das Leben dort leisten können. Dieses Viertel ist so konzipiert, dass sowohl Arbeiter als auch weniger wohlhabende Dänen dort leben können – und zwar nicht in getrennten Teilen Nordhavns, sondern nebeneinander und vor allem miteinander. Denn wie Madsen betont, geht es in Dänemark nicht um die Schaffung von Ghettos, sondern darum, Menschen, Nachbarn, unabhängig von ihrem Status, miteinander zu verbinden. Sozialer Wohnungsbau bedeutet Integration, nicht Ghettoisierung.

Dies scheint einer der Hauptgründe dafür zu sein, dass das Stadtumbauprojekt Nordhavn im Grunde nicht mit den Umbauprojekten ehemaliger Industriegebiete vergleichbar ist, die in unserer Region entstehen.


UN City (FotoDejan Aleksić)UN City

Was war so etwas wie ein Vorläufer all dessen?

Die Geschichte der urbanen Transformation dieses Teils von Kopenhagen endet hier nicht, sondern beginnt im Wesentlichen ganz von vorne. Denn unweit des Wohn- und Geschäftsviertels Nordhavn liegt die UN City, eine Art Vorläufer der detaillierteren Umgestaltung des ehemaligen Hafengebiets. Und wie fing alles an?

Die UN ist seit 1957 in Dänemark vertreten, als die Weltgesundheitsorganisation ihr Büro in Kopenhagen eröffnete. In der Zwischenzeit eröffneten auch andere UN-Organisationen ihre Büros, und irgendwann stellte man fest, dass es in verschiedenen Teilen Kopenhagens etwa ein Dutzend UN-Organisationen gab. Daraufhin beschloss man, einen zentralen Knotenpunkt zu schaffen, an dem all diese Organisationen angesiedelt sein sollten. So entstand die Idee der UN City.

– Dieser Ort wurde als Standort für das zukünftige Gebäude gewählt, da die UN hier bereits ein altes Lagerhaus besaß. Der Entwurf des Gebäudes stammt vom Architektenteam 3XN. Ursprünglich sollte das Gebäude einer ausgestreckten Hand ähneln. Die Architekten erkannten jedoch schnell, dass die fünf Finger nicht ausreichten, um die Mitarbeiter aller UN-Organisationen unterzubringen. Daher wurde anstelle einer ausgestreckten Hand die Form eines Kompasses gewählt, da Dänemark eine lange Seefahrtstradition hat und der Kompass ein Symbol dafür ist. Gleichzeitig symbolisiert der Kompass die Aktivitäten der UN in allen Teilen der Welt – erklärt Kommunikationsberater Najam ul Assar.

Die Arbeiten am Gebäude begannen 2009. Für den Bau wurden hauptsächlich Materialien aus Dänemark und den Nachbarländern Deutschland, Schweden und Norwegen verwendet. Das Gebäude wurde 2013 fertiggestellt, und die derzeit rund 2.000 Mitarbeiter aus über 100 Ländern zogen im Juli 2014 ein.

(FotoDejan Aleksić)

Wasserkonzept wichtig für das Sicherheitsgefühl, aber auch für die Nachhaltigkeit

Betrachtet man das UN City-Gebäude aus der Vogelperspektive, entsteht der Eindruck, es stehe auf einer Insel. So ist es nicht verwunderlich, dass den Mitarbeitern neben Büros und einer Kantine auch ein Fitnessstudio, Ärzte usw. zur Verfügung stehen.

– Wir schlafen hier zwar nicht, aber UN City ist eindeutig als autarke Stadt konzipiert – bemerkt Najam ul Assar und fügt hinzu, dass die Nähe zum Wasser und das Konzept Wasser selbst für die Mitarbeiter von UN City besonders wichtig sind.

– Für uns ist es wichtig, weil es uns ein Gefühl von Sicherheit und Privatsphäre gibt. Da Dänemark aber ein sicheres Land ist, haben wir natürlich keine Mauer um UN City gebaut, denn wer schon einmal durch Kopenhagen gelaufen ist, wird feststellen, dass viele Gebäude keine Vorhänge haben. Wir wollten nicht den Eindruck erwecken, wir wären Außerirdische, sondern eine Anbindung an den Rest der Stadt schaffen – betont Najam ul Assar.

Wasser ist für UN City aus Nachhaltigkeitsgründen ebenso wichtig. Wenn es beispielsweise regnet, was in Kopenhagen keine Seltenheit ist, wird das Regenwasser gesammelt und zum Reinigen der Toiletten verwendet.

Najam ul Assar (FotoDejan Aleksić)Najam ul Assar

- Wir würden es gerne filtern und als Trinkwasser nutzen, haben aber nicht genug Platz für solche Anlagen. Andererseits haben wir Rohre in den Wänden. Da wir kein künstliches Kühl- und Heizsystem für das Gebäude haben, nutzen wir im Sommer, wenn es wärmer ist, Meerwasser und pumpen es zur Kühlung in die Wände. Was die Heizung betrifft, war die ursprüngliche Idee, Meerwasser zu verwenden. Wir möchten dafür gerne selbst genügend Energie produzieren, können das aber nicht. Deshalb nutzen wir das nachhaltige Heizsystem, das in Kopenhagen verwendet wird - sagt er und weist darauf hin, dass die weiße Farbe des Gebäudes ebenfalls bewusst gewählt wurde, eben aus Gründen der Nachhaltigkeit.

Das gesamte UN City-Gebäude ist sensorbasiert. Im Winter öffnen sie die Jalousien, um möglichst viel Sonne und Licht hereinzulassen, und im Sommer schließen sie sie, um eine Überhitzung des Gebäudes zu verhindern. Auf dem Dach befinden sich außerdem Solarmodule, die 10 % des jährlichen Energieverbrauchs decken. Es ist jedoch klar, dass dies nicht ausreicht. Deshalb arbeitet UN City mit der örtlichen Gemeinde zusammen, um zusätzliche saubere Energie bereitzustellen. Auch Essensreste helfen dabei.

- Die Portionen in UN City sind klein, aber aus praktischen Gründen, um möglichst wenig Lebensmittelabfälle zu verursachen. Da am Ende immer Lebensmittelabfälle übrig bleiben, haben wir im Keller Container für die Sammlung von Bioabfällen aufgestellt. Da wir keinen Platz für eine Biogasanlage haben, haben wir einen Partner, der diese Bioabfälle abholt und für uns zu Biogas verarbeitet - erklärt Najam ul Assar.

Damit das Gebäude, das aufgrund der Mitarbeiter aus verschiedenen Regionen rund um die Uhr in Betrieb ist, nicht unnötig Strom verschwendet, spielen Sensoren auch hier eine wichtige Rolle. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter um 1 Uhr morgens arbeiten muss, schaltet sich das Licht nicht im gesamten Gebäude ein, sondern nur in dem Bereich, in dem sich dieser Mitarbeiter befindet.

Was den Transport betrifft, gibt es im UN City-Komplex Hunderte von Fahrradstellplätzen, die immer voll mit Zweirädern sind, da viele Menschen in UN City mit dem Fahrrad von zu Hause zur Arbeit fahren.

Das UN City-Gebäude erfüllt laut Najam ul Assar zwar nicht ganz die Standards der Klimaneutralität, verfügt aber über ein LEED-Platin-Nachhaltigkeitszertifikat.

- UN City orientiert sich, wie unsere Umwelt, an einer Politik der sauberen Energie und Nachhaltigkeit. Unser Ziel ist es, das Prinzip der Klimaneutralität bis 2026 zu erreichen -betont Najam ul Assar.

„Klaviertreppe (FotoDejan Aleksić)<span class="HwtZe"><span class="jCAhz><span class=">„Klaviertreppe</span></span><span class="HwtZe"><span class="jCAhz><span class=">“</span></span>

„Klaviertreppeals Herzstück des Gebäudes

Das Herzstück des UN City-Gebäudes ist die Treppe, die den Eindruck erweckt, als würde man auf Klaviertasten laufen. Sie sei aus mehreren Gründen wichtig, so Najam ul Assar.

- Zu den wichtigsten Gründen gehört die Vernetzung der im Gebäude ansässigen UN-Agenturen und die Einladung der dort tätigen Menschen. Der zweite Grund ist die Gesundheit, genauer gesagt das Gehen auf der Treppe. Wer mehrmals am Tag auf und ab gehen muss, erreicht mit hoher Wahrscheinlichkeit die empfohlene Tagesanzahl an Schritten. Wir nennen sie das Herzstück von UN City, weil verschiedene Arterien auf verschiedenen Etagen mit diesem Herzen verbunden sind – so Najam ul Assar.

15 Minuten Fußweg zur Raucherpause

Im UN City-Gebäude gibt es keinen Raucherbereich. Wer also eine Raucherpause einlegen möchte, muss den UN City-Komplex verlassen. Da nicht alle Gebäudeteile gleich weit vom Eingang entfernt sind, benötigen manche Raucher viel Zeit, aber auch gute Kondition, um die Pause zu machen und wieder zurückzukommen. Denn die entferntesten Büros sind nur etwa 15 Minuten entfernt.

Das größte humanitäre UN-Lager der Welt

Das alte UN-Lager, auf dessen Gelände die UN City errichtet wurde, wurde durch ein neues, hochautomatisiertes und robotisiertes Lager mit einer Fläche von über 20.000 Quadratmetern ersetzt, das etwa 15 Autominuten entfernt liegt. Das Lager wird von UNICEF betrieben und versorgt dringende UN-Lieferungen weltweit. Rund 300 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Zwar sind sie nicht rund um die Uhr im Einsatz, doch in Notfällen, wie beispielsweise während der Covid-Pandemie, werden notwendige Lieferungen schnell vorbereitet und per Frachttransport verschickt.

Dejan Aleksić
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