Ein Drittel des geheimen “Fiat”-Modells erzeugt in Serbien – Italiener investieren 130 Mio. Euro in Kragujevac bis Ende des Jahres
Sonntag, 16.05.2010.
03:54
(Giovanni de Phillipis)
Der italienisch-serbische Automobilhersteller “Fiat automobili Srbija“ (FAS) beginnt mit der Rekonstruktion des bestehenden industriellen Komplexes in Kragujevac, der eine Fläche von fast 1,4 Mio. m2 einnimmt, und mit dem Bau neuer Anlagen, in denen das neue, geheime Modell erzeugt werden soll. Bis 25. Mai will man alle Details über das neue Modell B-Klasse unter der Chiffre 342 geheim halten. In der ersten Phase sollten zwischen 120 und 130 Mio. Euro in den Komplex in Kragujevac investiert werden, kündigte die italienische Gruppe an. Es handelt sich, laut Medien, um einen Nachfolger von "Punto", "Grande Punto" und "Punto Evo".
Bestehende Anlagen des ehemaligen Automobilherstellers “Zastava”, in welche man seit zwei Jahrzehnten nicht investiert hat, sollten bis Ende des Jahres adaptiert werden. Das neue „Fiat“-Modell sollte Anfang 2012 auf den Markt gebracht werden, kündigte Giovanni de Phillipis, CEO von „Fiat automobili Srbija“ an.
Ende dieses Monats will man Verhandlungen mit künftigen Lieferanten aufnehmen. 20-30% des neuen Modells sollten, Erwartungen zufolge, in Serbien erzeugt werden. In der neuen Fabrik sollten ca. 2.500 Mitarbeiter eingestellt werden. Geplante Kapazitäten erlauben die Herstlelung von 300.000 Autos jährlich.
- Wir wollen uns bis Ende des nächsten Jahres für die Herstellung des neuen Modells vorbereiten und die Massenproduktion 2012 aufnehmen. In folgenden zwei Jahren erwarten wir einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro jährliche – erklärte De Phillipis gestern Abend (13. Mai 2010) am Treffen der Deutschen Wirtschaftsvereinigung in Belgrad.
Die Anlagen in Kragujevac sollten, laut ihm, mit den modernsten Maschinen und Vorrichtungen ausgestattet werden, von Pressen bis Montagelinien.
- Bestehende Fabrikhallen eignen sich einfach nicht für neue Maschinen und moderne Produktionstechnologien. Geplant ist eine integrierte Anlage zur Herstellung von größeren Komponenten, vor allem jener aus Kunststoff wie Stoßstangen. 36.000 m2 auf dem Fabrikgelände in Kragujevac sind für unseren Hauptzulieferer „Magneti Marelli“ reserviert. Für andere Lieferanten wollen wir ein Logistikzentrum auf 700 bis 800 m2 bauen lassen.
Auf dem Fabrikgelände in Kragujevac wird eine neue Lackiererei sowie Lager für die modernsten computerisierten Maschinen und Roboteranlgen gebaut.
(Klima komore)
In der ersten Phase der Adaptierung sollten 400.000 m2 Dachdeckung und fast 100.000 m2 Fußbodenbeläge ersetzt werden, erklärte der Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft und regionale Entwicklung Aleksandar Ljubić in einem Interview für die heutige Ausgabe der Belgrader Tageszeitung „Blic“.
Zum ersten Mal nach der Inbetriebnahme kann man sagen, dass der ganze Komplex sauber und umweltfreundlich ist, weil "Fiat" hier die modernste Kläranlage gebaut hat.
- Parallel dazu hat man 1.000 t Chrom und 10.000 t Kohle entsorgt und 12 Gebäude aus Asbest abgerissen lassen – sagte Ljubić.
Ein Drittel der Komponenten für “Fiat”-Modelle soll in Serbien erzeugt werden
“Fiat” stelle hohe Ansprüche an alle Lieferanten, sagte Phillipis, die momentan von nur wenigen Unternehmen in Serbien erfüllen. Er glaubt deshalb, dass sich „Fiat“ für internationale Zulieferer entscheiden wird, aber auch, dass viele von ihnen die Produktion nach Serbien verlagern könnten. Einheimische Hersteller von Autoteilen und Komponenten haben Chance, mit „Fiat“-Lieferanten zusammenzuarbeiten.
- Wir rechnen damit, dass 30% der Komponenten für unsere neuen Modelle in Serbien hergestellt werden. Größere Komponenten wie Sitze oder Kunststoffartikel für die Innenausstattung werden wir gewiss in Kragujevac erzeugen. Die Anzahl möglicher Zulieferer ist nicht festgesetzt, wir werden von allen präzise Geschäftspläne und Projekte verlangen. Für manche Hersteller könnten der wichtigste Käufer sein, wir werden aber darauf nie bestehen. Wir werden unseren Lieferanten Parzellen in der künftigen Freihandels- und Gewerbezone "Korman polje" in Kragujevac bieten und eine Akademie für die Ausbildung unserer Zulieferer gründen. Die Akademie sollte sich zum größten Ausbildungszentrum für unsere Lieferanten auf dem Balkan entwickeln. Ich hoffe, dass wir die wichtigsten Zulieferer in folgenden zwei bis drei Monaten auswählen werden. Andere sollten später dem Unternehmensherz angeschlossen werden – erzählte Phillipis.
Die Gewerbezone „Korman polje“ erstreckt sich auf 67 ha. Der Staat soll 10 Mio. Euro in die Zone investiren und weitere 65 Mio. Euro in notwendige Zufahrtstraßen.
Hersteller von Autoteilen zeigen, laut dem Staatssekretär Ljubić, so großes Interesse für die Zusammenarbeit mit „Fiat“, dass es fast keinen Platz für alle Investoren in Kragujevac gibt.
- Als Alternative zu Kragujevac werden wir Investoren ähnliche neue Gewerbezonen in Niš, Svilajnac, Šabac und Zrenjanin bieten. Investoren, die sich für erwähnte Städte entscheiden, können mit Subventionen und ähnlichen Begünstigungen rechnen – sagte Ljubić.
„Fiat“-Schulden erreichen 8,7 Mrd. Euro
Unter Berufung auf anonyme Quellen gab die US-amerikanische Agentur „Blumberg“ bekannt, dass der dritgrößte Automobilhersteller in Europa Kredite im Geseamtwert von 5 Mrd. Euro für die Refinanzierung seiner Schulden beantragt hat. „Fiat“-Schulden gegenüber Banken haben 8,7 Mrd. Euro erreicht.
T.S.
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