Stavros Paraskevaides, CEO "Mercedes-Benz Srbija i Crna Gora" – Man kann mit einer Preissenkung um maximal 6,5% rechnen
Dienstag, 18.11.2008.
11:10
(Stavros Paraskevaides)
Die globale Finanzkrise und die angekündigte Senkung des Zolls auf Kraftfahrzeuge von 20 auf 10% gefährdet die Realisierung der Absatzpläne von "Mercedes-Benz Srbija i Crna Gora" für 2008, nach denen der Nettoumsatz 140 Mio. Euro übertreffen sollte. Abgesehen davon realisierte das Unternehmen die geplanten großen Investitionen in Serbien, hat aber nicht vor, an der Privatisierung des Automobilwerks "Fabrika automobila Priboj" teilzunehmen, ogwohl man früher die Möglichkeit der strategischen Zusammenarbeit in der Herstellung von Lastkraftwagen erwähnt hat.
In einem Interview für das Wirtschaftsportal "eKapija" hebt Stavros Paraskevaides, Generaldirektor von "Mercedes-Benz Srbija i Crna Gora", hervor, dass das Unternehmen mit bisherigen Ergebnissen und der Entwicklung in Serbien äußerst zufrieden ist. Innerhalb von nur 2 Jahren wurden hier fast 10 Mio. Euro investiert.
eKapija: Auf welche Weise wirkt sich die aktuelle Finanzkrise auf Automobilhersteller auf?
- In Hinisicht darauf, dass der größte Teil der Kraftfahrzeuge nicht für Bargeld, sondern mit Hilfe der Geldinstituten gekauft wird, sind Automobilhersteller weltweit von der aktuellen Finanzkrise besonders betroffen. Es geschieht, dass Leasinggesellschaften keine Kredite für den Erwerb von Kfz gewähren, sogar nicht ihren langjährigen Kunden. Die Situation wird oft zusätzlich erschwert, wenn Kraftfahrzeuge bereits bestellt sind. Wir haben, außerdem, mehr Autos als üblich auf Lager. In Hinsicht auf den Anteil ausländischer Banken am serbischen Kreditmarkt überrascht nicht, dass wir auch hier auf ähnliche Probleme stoßen. Ich glaube aber nicht, dass die Folgen der globalen Krise in Serbien den westeuropäischen Ausmaß erreichen können. Hier gibt es keinen entwickelten Kapitalmarkt und die Wirtschaft ist in der Entwicklung.
eKapija: Die von der Regierung Serbiens angekündigte Senkung des Zolls auf importierten Autos ab dem 1. Januar 2009 hat die Situation der Automobilhersteller zusätzlich erschwert. Wie schwer ist dieser Beschluss "Merceds-Benz SCG" gefallen?
- Ziemlich. Potenzielle Käufer erwarten einen enormen Preisrückgang, sogar bis 10%. "Mercedes-Benz SCG" und andere Hersteller, die in Serbien tätig sind, glauben, nämlich, dass man bestenfalls mit maximal 6,5 % rechnen kann. Mehr ist nicht zu erwarten, wegen der Methode zur Berechnung der Steuer auf ausländische Kraftfahrzeuge und der Fabrikpreise. Konstante Spekulationen über die enorme Preissenkung in der Öffentlichkeit haben bereits nach den ersten Ankündigungen im Oktober zum drastischen Rückgang des Absatzes geführt. Wir müssen, offensichtlich, bis Januar warten und durch verschiedene Werbeaktionen und günstige Preise potenzielle Käufer anlocken.
eKapija: Die Agentur für Privatisierung hat unlängst 86,5% des Kapitals im Automobilwerk "Fabrika automobila Priboj" (FAP) zum Verkauf ausgeschrieben. Nimmt "Mercedes-Benz" daran teil?
- Der Daimler Lkw-Sektor hat kein Interesse an der strategischen Partnerschaft oder Übernahme von FAP, besonders nicht während der Finanzkrise. Der Umfang der notwendigen Investitionen (die Ausstattung ist, nämlich, mehr als 23 Jahre alt) und der Standort der Fabrik sind unakzeptabel. In Frage kommt nur die technische Zusammenarbeit. FAP könnte einer unserer Lieferanten werden und Teile für Mercedes-Lkws herstellen. Man überlegt diese Möglichkeit. Findet FAP inzwischen einen Strategiepartner, kommt sie nicht in Frage.
eKapija: Was war entscheidend, als "Daimler" Ungarn, und nicht Serbien für sein neues Mercedes-Werk gewählt hat?
- Es gibt einige Gründe dafür. "Daimler" war eigentlich nie interessiert für solche Investitionen in Serbien und hat nie nach einem Standort gesucht. Wir haben das Die Angebot aus Serbien erhalten und ziemlich spät, darf ich sagen. Serbien ist nicht in der EU. Die Variante, Modelle für den europäischen Markt außerhalb der EU zu bauen war zu kompliziert für uns und deshalb unakzeptabel. Wir benötigen spezifische Regelung für die Produktion, Export und Import. Serbien verfügt, darüber hinaus, nicht über ein gut aufgebautes Lieferantennetz, besonders wenn es um elektronische Komponenten, Sitze, Kühler u.Ä. geht. Ungarn hat uns, dagegen, entsprechende, infrastrukturell vollständig ausgestattete Stanorte für Zulieferer geboten. Eines der Probleme, das nicht sofort auffällt, sind hohe Sozialabgaben für Beschäftigten. In Serbien sind sie beträchtlich höher als in anderen europäischen Ländern. Der Nettoumtrag ist niedriger´und die wahren Kosten für das Unternehmen ziemlich groß. Das hat schon viele ausländische Investoren entmutigt. Ich freue mich darauf, dass die Regierung Serbiens an der Lösung dieses Problems arbeitet. Ich muss auch betonen, dass das finanziell Angebot aus Serbien sehr günstig war.
eKapija: Sie haben erklärt, mit Ergebnissen in Serbien zufrieden zu sein. Wie lässt sich das in Zahlen darstellen?
- Wir haben einen Umsatz von 140 Mio. Euro für 2008 geplant. Die Realisierung dieses Plans wäre ein gutes Ergebnis für uns. Wir haben 2007 einen Gewinn über 6 Mio. Euro erzielt und glauben, trotz der Finanzkrise, vorjährige Ergebnisse übertrefen zu können, sowohl wenn es um den Gewinn als auch um Anzahl der verkauften Autos geht. Wir decken 3% des Marktes im Sektor der Personenkraftwagen. 2007 haben wir 730 Autos verkauft, vorwiegend an privaten Personen. Nur 20% davon haben wir an Unternehmen verkauft. Serbien ist der achtgößte und deshalb sehr wichtige Markt für unsere Lkws in Europa, besonders wenn man die Realisierung der großen infrastrukturellen Projekte wie Verkehrskorridor 10 aufnimmt.
Wir können auch mit Investitionen in Serbien zufrieden sein. Seit Mitte 2007 bis heute haben wir rund 10 Mio. Euro investiert. Der größte Teil der Summe entfällt auf das Verkaufs- und SErvicezentrum in Krnješevci. Wir haben 50 neue Mitarbeiter im letzten Jahr eingestellt und haben momentan fast 186 Mitarbeiter.
Wir besitzen 100% des Kapitals im Unternehmen "Evobus Srbija i Crna Gora". Wie wier an der Messe "Beotruck" angekündigt haben. soll "EvoBus SCG" ab 2009 dem "Mercedes-Benz Srbija i Crna Gora" angeschlossen werden.
eKapija: Was, abgesehen von der aktuellen Krise, erschwert die Ausübung der geschäftlichen Tätigkeit in Serbien?
- Birokratie, vor allem. Komplizierte Prozeduren, die die Realisierung der Projekte erschweren. Wir benötigen ein System, das Investoren wirklich unterstützen kann. Es gibt viele Vorteile für Greenfield-Investitionen, aber man stoßt immer auf administrative Beschränkungen. Ich freue mich darüber, dass die Regierung Serbiens bereit ist, solche Situation zu verändern. In Hinsicht darauf, dass es sich um einen Entwicklungsmarkt handelt, verläuft alles noch immer zu lang. Wir warten fast zwei Jahre auf alle Genehmigungen zur Errichtung noch eines Salons im Rahmen des bestehenden Zentrums in Novi Beograd.
eKapija: "Mercedes—Benz Srbija i Crna Gora" ist auch als sozial verantwortliches Unternehmen bekannt. Sagen Sie uns etwas über aktuelle Projekte:
- Im Land, in dem wir Gewinn erzielen, wollen wir durch verschiedene Projekte helfen. Wir entschieden uns für das Kinderheim "Vera Blagojević" in Banja Koviljaca. Die Aktion startete noch 2005, offiziell aber im Februar 2006. Wir wollen diesen Kindern eine glücklich Kindheit und eine Chance für glücklicher Leben bieten. Wir haben uns bisher mit der Ausstattung des Heims beschäftigt und engagierten einen Englischlehrer für Kinder. Wir sind froh, den ersten Schützling in unserem Service beschäftigt zu haben, und besonders, weil er damit zufrieden ist und ein gutes Vorbild für andere Kinder darstellt.
Im Unterschied zu anderen Unternehmen spenden wir auch viel für den Umweltschutz und bemühen uns um die Senkung der Emission von Giftgasen. Man soll nicht Fehler aus der Zeit der Industrialisierung in Westeuropa wiederholen und die schöne Natur in Serbien bedrohen.
T.S.
Anmerkung: "Mercedes-Benz Srbija i Crna Gora" ist seit mehreren Jahren aktives Mitglied der Deutschen Wirtschaftsvereinigung Belgrad (DWB)
Mercedes-Benz Srbija i Crna Gora d.o.o. Beograd
FAP Korporacija a.d. Priboj
Chrysler Balkans d.o.o. Beograd
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