Schweizer eröffnen den längsten Eisenbahntunnel der Welt - ABB-Technologie hilft, die Geschichte der Schweizer Alpen neu zu schreiben
Donnerstag, 02.06.2016.
13:25
Nach 17-jähriger Bauzeit ist am 1. Juni 2016 der neue Gotthard-Tunnel eröffnet worden. Mit 57 Kilometern ist er der längste Eisenbahntunnel der Welt.
Der in 17-jähriger Bauzeit für umgerechnet rund 11 Milliarden Euro (12,2 Milliarden Franken) fertiggestellte Gotthard-Basistunnel ist das Herzstück der "Neuen Eisenbahn-Alpentransversale" (NEAT). Er wurde weitgehend im Rahmen der finanziellen und zeitlichen Vorgaben gebaut.
Mit dem europäischen Großprojekt sollen weite Teile des Güterverkehrs zwischen dem Nordseehafen Rotterdam und Genua am Mittelmeer von der Straße auf die Schiene verlegt werden. Der fahrplanmäßige Betrieb durch den Gotthard-Basistunnel soll nach etlichen weiteren Testfahrten am 11. Dezember aufgenommen werden.
Der neue Gotthard-Eisenbahntunnel wird weltweit als herausragende technische und organisatorische Meisterleistung gewürdigt. Seine Gleise verlaufen bei nur geringen Steigungen sowie ohne enge Kurven auf einer Höhe von maximal 550 Metern über dem Meeresspiegel. Experten sprechen von einer "Flachbahn". Darüber türmt sich bis zum Gipfel des Gotthards bis zu 2300 Meter Fels.
Dank der nur geringen Höhe und des ebenen Streckenverlaufs brauchen Züge weniger Lokomotiven und können so preisgünstiger, vor allem weit schneller als im alten Gotthard-Tunnel fahren – Personenzüge mit bis zu 250 Stundenkilometern, Güterzüge mit bis zu 160 km/h.
Der Zeitgewinn zwischen Zürich und Mailand beträgt – nach Fertigestellung des kleineren, ergänzenden Ceneri-Tunnels ab 2020 – rund 45 Minuten. Statt bislang maximal 180 Güterzüge sollen künftig pro Tag 260 durch die neuen Röhren rollen.
Im ersten Zug, der am 1. Juni durch den neuen Gotthard-Tunnel fuhr, saßen nicht Honoratioren, sondern Hunderte "Normalbürger". Die Freitickets wurden unter Zehntausenden Bewerbern verlost. Erst im zweiten Zug folgten Politiker und Staatsgäste – auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Holland und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi werden erwartet.
Bis zur Aufnahme des regulären Bahnbetriebs wird noch einige Zeit vergehen. Erst nach 3.000 weiteren Testfahrten soll die Strecke kurz vor Weihnachten endgültig freigegeben werden. Dann endlich kann der 1882 in Betrieb genommene Gotthardtunnel zwischen Göschenen und Airolo in die Ruhestandsreserve geschickt werden.
(Renzo Simoni)
"Wir haben mehr als 28 Millionen Tonnen Material aus dem Gotthard herausgeholt, mit Bohrungen und Sprengungen", erklärt Renzo Simoni Vorsitzender der Geschäftsleitung der Alptransit Gotthard AG, der für den Bau des Eisenbahntunnels gegründet wurde.
Die Idee stammt aus einem Science-Fiction-Aufsatz des Ingenieurs Eduard Gruner von 1947. Grunder war überzeugt davon, dass das visionäre Projekt bis Anfang des 21. Jahrhunderts vollendet werden könnte.
Der Bau begann offiziell 1999, aber es gab zahlreiche bürokratische und finanzielle Probleme aufgrund von Bedenken über die Nachhaltigkeit des Projekts. Die Eidgenossen haben dem Bau des Gotthard-Tunnels schließlich 1998 durch ein Referendum zugestimmt. Sie akzeptierten zugleich die Erhöhung der Mautgebühr, um den Bau des Tunnels zu finanzieren.
Um die Finanzierung des Projekts zu sichern, bildete die Schweizer Regierung einen Fonds für dieses Projekts, der durch die Verbrauchssteuer auf Erdöl (bis 23% des Fonds), die LKW-Steuer (64%) und die Mehrwertsteuer (13%) finanziert wird.
Im neuen Gotthard-Basistunnel steckt auch eine breite Palette innovativer und energieeffizienter ABB-Technologien, die dafür sorgen, dass die Energieversorgung der Infrastruktur und die Belüftung des Tunnels gesichert sind.
ABB ist ein global führendes Technologieunternehmen in den Bereichen Energie und Automation. Das Unternehmen ermöglicht seinen Kunden in der Energieversorgung, der Industrie und im Transport-und Infrastruktursektor, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern und gleichzeitig die Umweltbelastung zu reduzieren. Die Unternehmen der ABB-Gruppe sind in rund 100 Ländern tätig und beschäftigen weltweit etwa 135'000 Mitarbeitende, davon rund 6550 in der Schweiz.
Jelena Đelić

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