Staatsdienst garantiert höheren Status in Indien - 75.000 Bewerbungen für 30 Aushilfsjobs
Mittwoch, 26.08.2015.
15:17
Die Wirtschaftsdirektion des indischen Bundesstaats Chhattisgarh hat ihre Pläne, 30 Aushilfsstellen zu besetzen, nach insgesamt 75.000 Bewerbungen vorerst auf Eis gelegt. Direktionschef Amitabh Panda sprach am Dienstag von 5.000 persönlichen und 70.000 Onlinebewerbungen, unter anderem von Ingenieuren und Managementstudenten.
"Das ist surreal, wir haben mit höchstens 3000 Bewerbern gerechnet", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Zum Stellenprofil zählten Tätigkeiten wie das Servieren von Tee. Die Bezahlung sollte 14.000 Rupien im Monat betragen, umgerechnet etwa 190 Euro.
Indiens gewaltiger Beamtenapparat gilt gegenüber der Privatwirtschaft als Garant für einen sicheren Arbeitsplatz, auch sehr niedrig qualifizierte Jobs sind hier begehrt. Nicht selten zahlen Bewerber tausende Rupien Bestechungsgeld in der Hoffnung auf eine solche Stelle. Außerdem bringt der Staatsdienst in dem stark vom Klassendenken bestimmten Land einen höheren sozialen Status mit sich, wie der Soziologe Zubair Meenai sagt. "Auch wenn jemand in einem Unternehmen eine Million Rupien im Jahr verdient, hat ein Beamter dennoch mehr Respekt und soziale Anerkennung sicher."
Indiens Arbeitslosenquote lag nach Angaben der Weltbank 2013 zwar nur bei 3,6 Prozent, doch Unterbeschäftigung und Armut sind allgegenwärtig: 23 Prozent der Bevölkerung leben von umgerechnet nur etwas mehr als einem Euro am Tag.

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