Ranch 20 mal größer als Paris steht zum Verkauf
Montag, 27.07.2015.
12:43
Gut 2000 Quadratkilometer groß, bestückt mit 6800 Rindern, 500 Rennpferden und gut 120 Beschäftigten. Dazu gut 120 Quadratkilometer Ackerland. Und rund 1000 Ölbohrtürmen, weil man in den 1920ern auf der Suche nach Wasser für die Rinder auf Öl gestoßen war. Verkauft werden soll das Ganze mit sämtlichem Zubehör, also auch mit diversen Fahrzeugen, darunter mehrere Pickups, 29 Traktoren und ein Caterpillar, Grabstätten für verdiente Cowboys, zahllose längst verstorbene Hunde sowie für ein stehend begrabenes Rennpferd. Und dazu das in ganz Texas berühmte Brandzeichen mit den drei spiegelverkehrten D.
Zum Größenvergleich: New York und Los Angeles würden zusammen auf dem Ranch-Gelände Platz finden, ein paar Dutzend souveräne Staaten dieser Erde müssen mit weniger Fläche auskommen, und Waggoner ist mehr als halb so groß wie das Burgenland, und Vorarlberg ist nur ein Viertel größer.
Der Verkauf soll 725 Millionen Dollar bringen. Und einen Investor dieser Größenordnung zu finden ist nicht leicht, zumal ein Profi kaum mehr als ein Zehntel seines Vermögens in ein einzelnes Projekt stecken wird – gesucht sind also Käufer, die zumindest 7 Milliarden Dollar schwer sind. Erschwerend kommt dazu, dass sich wohl leichter Käufer für den landwirtschaftlichen Betrieb oder das Ölfeld finden (neun Zehntel der Fläche sind noch gar nicht exploriert – weitere Ölfunde sind zu erwarten), aber kaum einer, der sich für beides interessiert.
Die Geschichte der Waggoner-Ranch reicht in die Zeit um die Gründung des Staates Texas (1836) zurück. Ab 1850 sammelte die Familie Acker um Acker, um Vieh darauf zu züchten. Mit den ersten großen Viehtrieben nach Norden um 1870 schaffte die Waggoner-Ranch den Sprung von "groß" zu "riesig", und mit dem Ölfund in den 1920 von „reich“ zu "sehr reich". doch da sah Tom Waggoner bereits das Ende nahen: Tochter Elektra gab (nach heutigem Geldwert) eine Million Dollar aus, um ihr Häuschen in Dallas so weit auszubauen, dass es ihre 350 Paar Schuhe aufnehmen konnte. Sohn E. Paul interessierte sich mehr für edle Pferde, Whisky und Poker als für die Landwirtschaft (an ihn erinnert noch ein Polo-Platz auf dem Farmgelände). Sein zweiter Sohn brachte es auf acht Ehen. Um zu verhindern, dass sein Erbe in Schuhe, Schnaps und Alimente umgesetzt würde, entschloss sich, die Ranch einer Stiftung zu übertragen, von der seine Nachkommen profitieren, auf die sie aber keinen Einfluss nehmen konnten.
Das ging bis in die 1990er gut, als sich die inzwischen weit verzweigte Familie total zerstritt. die einen bestanden auf eine Halbierung des Erbes, die anderen auf eine totale Liquidierung. Über Jahre wurde seit 1991 vor verschiedenen Gerichten gestritten, ehe im Vorjahr das Bezirksgericht in Vernon, 13 km außerhalb der Ranch, den Verkauf der Ranch und die Aufteilung des Erlöses auf die Erben anordnete.

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