In wessen Ecke ist der Ball - Wie lässt sich das Problem mit dem Bau der unrentablen Sportanlagen in Serbien lösen?
Nach der Nachricht, dass der finanziell angeschlagenen Belgrader Arene - ohne entsprechende Nutzungsgenehmigung, erst vor einigen Wochen die Suche nach einem Sponsor erlaubt wurde, muss man den Bau von unrentablen und nicht nachhaltigen Sporthallen und -anlagen überlegen.
Die Stadt hat 2004 so viel Geld in die Fertigstellung dieser großen Sport- und Konzerthalle investiert, ausreichend, laut dem ehemaligen Stadtsekretär für Sport Jovan Šurbatovic, für den Bau mehrzweckiger und kleinerer Sporthallen (6.000-8.000 Sitze) in allen 16 Stadtbezirken. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Belgrader Arena die Stadt mehrere tausend Euro monatlich kostet.
Die Fertigstellung der Arena war die Voraussetzung für die Veranstaltung großer internationaler Meisterschaften und Sportevents, die Stadt war trotzdem nicht in der Lage, dass Projekt entsprechend umzusetzen (von dem Erwerb der notwendigen Ausstattung, über Probleme mit Grundwasser, Ausfall der größeren Mieter).
Investitionen in Sport und Sportinfrastruktur stellen im 21. Jahrhundert eine gute Gelegenheit Geld zu verdienen und große Gewinne zu erzielen. Was muss man tun, um unsere Hallen, Stadien und Sportzentren rentabel zu machen?
Die Rentabilität und Nachhaltigkeit einer Sportanlage beruhen heute vor allem auf ihrer Mehrzweckigkeit. Die Belgrader Arena wurde so projektiert, diese Idee wurde aber nie verwirklicht. Sie sieht heute deshalb als eine misslungene Investition.
Es genügt nicht mehr einen Fußbalplatz zu bauen. Das Objekt muss so gestaltet werden, um für verschiedene Sportarten genutzt zu werden. Das Objekt muss Gewerberäume für unterschiedliche kommerzielle Inhalte und Unterhaltung bieten. In Hinsicht darauf, dass der Staat bisher nicht besonders erfolgreich bei der Verwaltung von Sportobjekten war, könnte das Ende November 2011 verabschiedete Gesetz über öffentlich-private Partnerschaft zu positiven Veränderungen beitagen. Private Investoren würden das notwendige Geld für die Errichtung, Ausstattung und Wartung von Sportanlagen sichern.
Es ist wichtig, wie man etwas baut
Das erste mehrzweckige Sportobjekt in Europa war die sogenannte "Amsterdam Arena". Solche Bau- und Finanzierungform wird heute in den meisten Ländern angewandt. Und was ist mit Serbien?
- Es gibt Fortschritte, wenn es um di Fußball-Infrastruktur geht, aber oft nicht in die richtige Richtung. Was heute in Serbien gebaut wird, ist anderswo vollständig überwunden. Wir bauen Stadien nach Prinzipien aus den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts, und ich bin überzeugt, dass sie in 10 Jahren verlassen werden, weil sie sich selbst nicht auszahlen können - glaubt Jovan Šurbatovic.
- Rumänien hat im Unterschied zu uns schon mehrere multifunktionale Objekte gebaut, genauso wie Kroatien, die das Prinzip der öffentlich-privaten Partnerschaft bereits implementiert hat - fügte er hinzu.
Das beste Beispiel daführ, dass mehrzweckige Zentren gut funktionieren, ist das "Haus des Fußballs" in Stara Pazova - Sportzentrum des Serbischen Fußballverbandes, das das erste Geschäftsjahr mit einer positiven Bilanz beendet hat.
- Außer Nationalmannschaften steht dieser Komplex auch anderen Sportvereine zur Verfügung sowie Unternehmen für die Veranstaltung von Seminaren, Trainings und andere Events. Wir möchten diese Kapazitäten im Ausland bieten, vor allem in Russland und China. Wir wollen ihre Vereine nach Serbien anlocken - erzählt Zoran Lakovic, Sekretär des Serbischen Fußballvereins. Ein ähnliches Zentrum in Belgrad wäre, seiner Meinung nach, mehr als nützlich.
Die öffentlich-private Partnerschaft sei ein gutes Modell für den Bau von rentablen Objekte, die die Entwicklung von Sport fördern würden, anstatt nur Verluste zu buchen.
- Die Entwicklung des Sports darf nicht mehr nur vom Staat und von den kommunalen Behörden abhängen. Der Staat muss einen Rahmen für Investitionen in diesem Bereich schaffen und nur die Kontrolle darüber behalten. Alles andere muss dem privaten Kapital überlassen werden. Unsere Vereine müssen darüber informiert werden. Wie können sie ansonsten 26 Mio. Euro für die Teilnahme an der Champions League verschaffen, ohne multifunktionale und nachhaltige Stadien - erklärte Lakovic.
Er unterstützt deshalb die Verabschiedung des Gesetzes über die öffentlich-private Partnerschaft, als einziges Modell für die Anziehung großer Invetitionen.
Ein großes Plus für unsere Vereine ist die Tatsache, dass sie Liegenschaften auf äußerst attraktiven Standorten besitzen. Hier könnten neue, moderne Objekte gebaut werden und so etwas könnte ausländische Investoren anlocken.
- Es ist wichtig, dass der Fußballverband die Veränderung des Zwecks dieser Standorte verhindert. Man muss auf dem Bau von Sportobjekten bestehen, weil wir uns nicht nur um die Rentabilität, sondern auch um die Entwicklung des Sports kümmern müssen - so Lakovic.
(Haus des Fußballs in Stara Pazova)
Von Worten zu Taten übergehen
- Das Ziel des Gesetzes über öffentlich-private Partnerschaft ist die Intensivierung privater Investitionen in unterschiedlichen Bereichen und daher auch in die Sport-Infrastruktur. Um so etwas zu realisieren, braucht man konkrete Projekte der öffentlich-privaten Partnerschaft - erzählt der Berater des serbischen Wirtschaftsministers Nenad Ilic.
Die öffentliche Hand ist nicht verpflichtet, Verträge mit privaten Partnern abzuschließen. Solche Investitionen können realisiert werden, wenn zuständige Stellen und Behörden wie Ministerien, Provinzsekretariate und Gemeinden die Rentabilität eines solchen Projekts mit dem privaten Investor erkennen.
Der Direktor der Belgrader Arena, Dejan Petricevic, glaubt, dass das Modell öffentlich-privaten Partnerschaft die Probleme mit der Finanzierung der Arena lösenn könnte sowie dass man einige Teile des Komplexes für die kommerzielle Nutzung vermieten sollte.
- Wir werden mindestens ein Projekt in diesem Jahr vorschlagen, wahrscheinlich den kleinen Saal. Wir brauchen Hilfe, um Zentren wie in Europa zu bauen - sagte Petricevic.
Auf dünnem Eis
Trotz aller Vorteile der öffentlich-privaten Partnerschaft, wenn es um den Bau von Sporthallen und -anlagen geht, muss man die besonderen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Umstände in Serbien berücksichtigen.
Die öffentlich-private Partnerschaft kann eine gute Quelle des frischen Kapitals sein, die den Staat entlasten kann. Sie könnte aber von Tycoons für die Übernahme der Kontrolle über die wichtigen Teile der Infrastruktur missbraucht werden. Das Modell muss deshalb sorgfältig eingeführt werden, als die einzige Möglichkeit, Bereiche, die der Staat nicht allein finanzieren kann, vom finanziellen Kollaps zu retten.
Es ist von größter Bedeutung, dass das Gesetz über öffentlich-private Partnerschaft nach der Verabschiedung verantwortlich und mit viel Kontrolle angewandt wird und sich als nützlich nicht nur für Investoren, sondern für alle Bürger erweist.
Es wäre sonst nur eine neue Möglichkeit, einem anderen die heiße Kartoffel zuzuschieben.
Milica Stevuljević

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