(AG Nekretnine) Hotelindustrie - Architektur und Tourismus in der Transition
Wenn man den Ist-Zustand der Tourismusarchitektur betrachtet, drängen sich folgende Gedanken auf: Eine Verunsicherung der Konsumenten aufgrund der Bankenkrise und allgemeiner Marktunsicherheit ist gegeben. Somit sind genaue Prognosen nicht möglich, doch ein Rückgang im Business und Commontravel-Bereich ist zu erwarten. Jedoch keine andere Branche der Wirtschaft erholt sich so rasch wie jene des Tourismus. Selbst in Krisenzeiten, in denen man auf teure Anschaffungen verzichtet, genießt der Urlaub den höchsten Stellenwert und daher eine hohe Konsumpräferenz.
In Deutschland sind im vorigen Jahr 58 Milliarden € für Auslandsreisen, aber fast doppelt soviel, nämlich 108 Milliarden € für Inlandsreisen, wo Ökologisierung und Qualität der Architektur zugenommen haben, investiert worden. Trotz Wirtschaftsflaute werden die Reiseeinnahmen weltweit von 600 Mrd. $ im Jahre 2005 auf 1000 Mrd. $ im Jahr 2010 steigen.
Touristische Architektur
In der Hotellerie ist Architektur längst zu einem elementaren Bestandteil des Marketings geworden. Trotzdem, mitten in der gegenwärtigen Rezession, entstehen vornehmlich in den neuen Ländern überladene Horrorarchitekturen mit gewaltigem Potential an Umweltzerstörung.
Gerade aber solche Situationen, wie jene der Krise, bieten uns die Chance, das Verhältnis Markt – Investment – Qualität zu überdenken und innovative Produktideen in allen Segmenten, wie auch Architektur und Umwelt, zu forcieren.
Was können wir Architekten dazu beitragen, dass Tourismus und Architektur in eine noch innigere Beziehung zueinander treten und sich mit konzeptuellen und regionalkulturellen Parameter verknüpfen?
Architekturdiskurs, ich bevorzuge in diesem Zusammenhang das Wort Archikultur, kann bloß im gesamten Marktgeflecht der Tourismusbranche eine Orientierungshilfe leisten und lediglich eine nachhaltige Entwicklung einleiten. Woran mangelt es also?
1. Die UnternehmerInnen, Developer und Operatoren haben keine notwendigen Erfahrungen mit dem Einsatz von hochwertiger, zeitgenössischer Architektur
2. 2. Man kennt nicht die positiven Effekte, die durch zeitgenössische Qualitätsarchitektur erzeugt werden können. Dies beruht auf mangelhafte Ausbildung in diesem Metier.
3. 3. Die Verantwortung für die eigene Umwelt in Bezug auf die Tourismusarchitektur wird vom ethischen und politischen Instrumentarium nicht adäquat vermittelt, gefördert und geschützt. Wesentlich ist, den bloßen merkantilen Nutzen des Projektes zu kommunizieren.
In den drei deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas – Deutschland, Schweiz und Österreich - , setzt sich die Qualitätsfrage entscheidend durch, um das Positive in diesem Dilemma herauszuschälen. Über 80 % der Befragten einer Tourismusenquete haben bejaht, dass zeitgenössische Architektur und deren identitätsregionale Ausstrahlung ein entscheidender Marketingfaktor sei.
Gute Architektur, ihr schöpferisches Transformieren von lokaler Baukultur, innovative Neuerung, Differenzierung von Topos und Typus, richtiges Maß von Raum und Körper in spezifischen und unverwechselbaren Milieus können Lebensstil und Zeitgeist, Medien- und Besucherpräsenz, ja sogar Daueraufenthalt garantieren. Entscheidend ist die sinnliche Wahrnehmung der Visitenkarte, des Profils.
(Projekt des Professors Podrecca im Wohnblock 11a in Neu Belgrad)
Gute Architektur – und diese will in Zukunft der zahlungskräftige und halbwegs gebildete Konsument haben – kostet nicht mehr. Es werden, vornehmlich in den ehemaligen Ostblockstaaten, Milliarden für pittoreske Architektursurrogate, falsche Timpanons, dorische Säulen, ich nenne es historisierende Pornographie und pseudomodernistische Orgien neureichen Geschmacks, verschleudert. Leider gibt es keine Architekturpolizei, obwohl Natur- oder Stadtmord – Urbizid - im Langzeitwirken beinahe wie Menschenmord gilt.
Developer, aber auch Planungsbüros sind oft Verursacher des Kippens von Archikultur. Es werden gängige Superstars für Brand und Label engagiert, eine Esperantoarchitektur vereinnahmt die Landschaft, die nie in die Tiefe der Ortsbedürfnisse reicht und kaum zur baukulturellen Identität der Region oder auch der Stärkung der lokalen Architektenschaft beiträgt. Das Tagesgeschäft wird bis auf kleine Ausnahmen in der alltäglichen, grauen Baupraxis erledigt.
Trotzdem Verbesserungen
In diesem Zusammenhang müssten hier wie bereits in manchen emanzipierten Ländern geschehen, entsprechende Schulungen, Beratungsprogramme für Praktiker, architektouristische Ausbildungsprogramme, diesbezügliche Veranstaltungen von Privatunternehmern, Architekturvorträge analoger Problematik, Expertentagungen etabliert werden.
Selbstverständlich gibt es auch ambitionierte Developer, welche diese Instrumente nützen und Qualität zu einem Marketingfaktor umfunktionieren. Die bisherige Erfahrung mit dem Projekt BEKO in Belgrad, einem der Anwendung nach gemischten Komplex, hat gezeigt, dass auf Seite des Bauherrn das nötige Verständnis für Archikultur vorhanden ist.
Abschließend möchte ich sagen, dass man Baukultur kaum monozentrisch definieren kann. Sie ist als plurales Phänomen zu verstehen. Baukultur ist auch Lebenskultur und daher kaum normativ steuerbar. Es fehlen auch die wahren Adressaten, weil Eigenverantwortung immer liquider und diffuser geworden ist. Der Verursacher von Schandflecken (Politik), der nur auf Rendite erpichte (Developer) und der gepeinigte Objekthersteller (Architekt) existieren als Teil einer Gesellschaft, die oft, man braucht nicht allzu weit fahren, Demokratie mit Anarchie verwechselt. Es muss eine neue Leitkultur entwickelt werden, die von Staat und dessen Behörden nicht apodiktisch geregelt wird, sondern die Akteure vernetzt und zwischen schwer überbrückbaren Welten von Verwaltung, Immobilienbranche und Praktikern vermittelt. Wichtig ist, dass die Kontingenz von Baukultur akzeptiert wird. Ohne Staat als Mediator, ohne Menschen mit Qualitätsanspruch und dessen stetige Thematisierung und Unterstützung wird die Zerstörung der Umwelt in vielen noch zu erschließenden Tourismusgebieten uns als Täter in den Augen nachfolgender Generationen erscheinen lassen.
Quelle:


Izdanje Srbija
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Izdanje Crna Gora


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