Goldene Zeiten in China vorbei?
Dienstag, 09.09.2014.
15:28
Jahrelang war die Volksrepublik eine sichere Bank. Jetzt das: Die Konjunktur lahmt, Konkurrenz und Gängelung nehmen zu. Auch die Zensur und das langsame Internet erschweren die Geschäfte.
China bleibt nach Ansicht ausländischer Konzerne einer der interessantesten Standorte der Welt, aber das Geschäftemachen wird hier immer schwieriger.
Einer Umfrage der EU-Handelskammer in Peking zufolge drücken das langsamere Wirtschaftswachstum, die steigenden Kosten, die fortgesetzten Marktzugangsbeschränkungen sowie die zunehmende Konkurrenz durch einheimische Unternehmen auf die Stimmung.
Obgleich die neue Führung in Peking mehr Öffnung, mehr Wettbewerb, weniger Regularien und weniger Staat proklamiere, erlebten viele Ausländer die Realität ganz anders. "Es wächst der Anteil europäischer Gesellschaften, der die Staatsbetriebe als Hauptkonkurrenten wahrnimmt", heißt es in der Auswertung.
Auch wachsen die Sorgen über die Onlinesicherheit. 80 Prozent der Befragten haben diesbezüglich Bedenken. Eine Mehrheit beobachtet steigende Internetzensur oder sinkende Netzgeschwindigkeiten.
Die Geschäftsbedingungen in der Volkrepublik verschärften sich, gleichzeitig kühle sich die Expansion der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ab, sagte der neue Kammerpräsident, der Deutsche Jörg Wuttke.
"Schon die Hälfte aller europäischen Unternehmen glaubt, dass das Goldene Zeitalter für internationale Konzerne in China vorbei ist."
Zwar sehe man die Reformankündigungen positiv, noch aber seien sie nicht spürbar. Käme es indes zu der geplanten Marktöffnung, dann würde das die Aktivitäten der EU-Unternehmen stark beflügeln, erwartet Wuttke: „Mehr als die Hälfte von ihnen würden ihre Investitionspläne in China wieder verstärken.“
Die Kammer schätzt, dass ihren Mitgliedern 21 Milliarden Euro Umsatz im Jahr wegen Bürokratismus und Markthemmnissen entgehen.

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