Whirlpool kauft Indesit-Mehrheit
Sonntag, 13.07.2014.
00:50
Der amerikanische Konzern Whirlpool, der weltweit führende Hersteller von Haushaltsgeräten, wird für 758 Mio. EUR eine 60%ige Beteiligung am italienischen Konkurrenten Indesit erwerben. Whirlpool einigte sich auf den Kauf der Quote, auf die 67% der Stimmrechte entfallen, mit der Eigentümerfamilie Merloni, wie beide Seiten in der Nacht auf Freitag mitteilten. 42,7% von Indesit werden von der Familienholding Fineldo und 17,6% direkt von Familienmitgliedern verkauft.
Whirlpool zahlt 11 EUR in Bargeld je Titel. Das entspricht einer Prämie von 4,5% gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag und ordnet Indesit einen Gesamtwert zu, der sich bloss auf 66% des letztjährigen Umsatzes von knapp 2,7 Mrd. EUR beläuft. Vorbehältlich der Zustimmung der Wettbewerbs- und anderer Behörden soll die Transaktion bis Ende Jahr abgeschlossen werden, wonach Whirlpool laut italienischem Recht zu einer öffentlichen Übernahmeofferte für die restlichen, börsenkotierten Aktien verpflichtet ist.
Die Handänderung kommt alles andere als überraschend. Nach einer jahrelangen Absatzkrise sah sich Fineldo im letzten November veranlasst, mit der Hilfe von Goldman Sachs einen Verkauf ihrer Indesit-Beteiligung in die Wege zu leiten. Die italienischen Hersteller von Haushaltsgeräten zählen zu den grössten Opfern des schweren industriellen Krebsgangs im Belpaese.
Während die italienische Industrieproduktion seit 2007 um rund einen Viertel eingebrochen ist, ging sie bei den Produzenten von Elektrogeräten um gut 40% zurück. In den letzten 10 Jahren hat sich die italienische Produktion von Haushaltsgeräten gar auf 15 Mio. Stück halbiert, was auch eine starke Verlagerung der Produktion ins Ausland reflektierte. Der Gesamtumsatz von Indesit ist seit 2007 von 3,41 auf 2,67 Mrd. EUR eingebrochen, wobei dank fortlaufenden Restrukturierungen und Sparprogrammen immerhin noch ausgeglichene Erfolgsrechnungen ausgewiesen wurden.
Dem Vernehmen nach hatten sich auch die schwedische Electrolux und die chinesische Sichuan für die italienische Indesit interessiert, die rund 16 000 Mitarbeiter zählt. Laut dem CEO der Holding Fineldo, Gian Oddone Merli, erwies sich aber Whirlpool als der am meisten erfolgversprechende "Partner". Der Chef von Whirlpool, Jeff M. Fettig, erklärte, dass sich sein Konzern dank der Übernahme ideal im höchst kompetitiven und zunehmend globalisierten Markt für Haushaltsgeräte in Europa positionieren könne. Die Region Europa, Nahost und Afrika bestritt bisher 16% der 18,8 Mrd. USD hohen Erlöse von Whirlpool, gegenüber 45% in Nordamerika.

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