Istanbul baut einen Mega-Flughafen
Montag, 09.06.2014.
01:44
In Istanbul ist der Grundstein für einen dritten Großflughafen der Stadt gelegt worden. Er ist für 150 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt und soll den Plänen zufolge der größte Flughafen der Welt werden. Bereits Ende 2017 soll er fertig sein, sagte der türkische Ministerpräsident Erdogan.
Sechs Start- und Landebahnen. eine Kapazität von 150 Millionen Reisenden pro Jahr, Platz für 500 Flugzeuge. Ministerpräsident Erdogan zählte beim ersten Spatenstich jede Menge Superlative auf: "Nicht nur ein Flughafen wird hier entstehen, sondern eine komplette neue Stadt, mit Krankenhaus, Hotels, Gebetsstätten bis hin zu einem Kongresszentrum. Es wird hier alles geben, was eine Stadt so braucht."
In dreieinhalb Jahren schon, im Herbst 2017, soll alles fertig gebaut sein. Dann wird es vorbei sein mit der Ruhe hier am Schwarzen Meer, 50 Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum Istanbuls. Im Minutentakt werden Flugzeuge starten und landen. Istanbul soll eines der weltweit wichtigsten Drehkreuze im internationalen Flugverkehr werden.
Der Flughafenbau bringt aber auch andere Rekorde mit sich: 2,5 Millionen Bäume müssen gerodet oder verpflanzt werden, 70 Seen trocken gelegt werden. Bislang gilt die waldreiche Gegend an der Küste des Schwarzen Meeres als Ruhegebiet für Zugvögel. "Ökologisch gesehen ist der dritte Flughafen Mord", sagt Emine Girgin von der Bürgerinitiative mit dem Namen "Schützt die Wälder im Norden Istanbuls".
Das gesamte Öko-System am Stadtrand Istanbuls mit all seinen Lebewesen werde leiden, befürchtet sie. Die Wälder im Norden Istanbuls seien bislang die Lebensquelle schlechthin für die Stadt. "Sie spenden sauberes Wasser und saubere Luft. Sie sind die Wasserspeicher und die Lungen Istanbuls." Einige Umweltschützer protestierten in der Istanbuler Innenstadt dagegen, dass nun die letzten Wälder Istanbuls gerodet und zerschnitten werden - aber die Proteste hielten sich in Grenzen.
Erdogan lässt sich sowieso nicht von Kritik beirren. Er hat längst größere Pläne: Erdogan will neben dem Flughafen auch einen Seehafen bauen für große Schiffe - und dazu noch einen 40 Kilometer langen Kanal vom Schwarzen Meer zum Marmara-Meer, sozusagen ein zweiter Bosporus parallel zum Bosporus, den die Natur geschaffen hat.
Das gigantische Projekt des "zweiten Bosporus" stößt ebenfalls auf Widerstand bei Umweltschützern, Städteplanern und Oppositionellen. Erdogan aber wischt alle Zweifel beiseite und schafft Fakten: heute mit dem Baubeginn für den Großflughafen im Nordwesten Istanbuls.

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