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Michelangelos David könnte stürzen

Quelle: Blic Dienstag, 06.05.2014. 14:50
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Podeli
(Michelangelos David)
Seit einem halben Jahrtausend ist er das Monument der perfekten Proportionen: Michelangelos David. Doch jetzt schlägt ein italienischer Experte Alarm: Der Marmorkörper, sagte er, zeige Risse - und drohe zu kollabieren. Schuld seien ausgerechnet seine Bewunderer.
David, der vier Meter große Marmormann, ist wahrscheinlich die bekannteste Skulptur der Kunstgeschichte überhaupt. Nackt, wie ihn Michelangelo erschaffen hat, steht er in der Galleria dell'Accademia in Florenz, das Gewicht auf das rechte Bein verlagert, in der linken Hand die Schleuder, mit der er im Kampf gegen den Riesen Goliath obsiegte.
Doch jetzt steht ihm ein Fight bevor, den noch jeder Mann verloren hat - gegen das Alter. Zu seinem 500. Geburtstag haben ihm seine Bewunderer noch eine aufwendige Kur spendiert. 2004 wurden Schmutz und Sulfatablagerungen liebevoll mit destilliertem Wasser und Zellstoff abgewischt, kleine Risse aufgefüllt. Schon damals unkten Kritiker, man würde David mit einer solchen Aktion unwiederbringlich ins Verderben stürzen, aber er hat sich von den Operationen ohne größere Probleme erholt. Obwohl: Die Fußgelenke, fanden Statiker, hatten unter dem Gewicht des knapp sechs Tonnen schweren Athleten im Laufe der Jahrhunderte schon arg gelitten.

(FotoAleksandar Parezanović)

Wie konnte das geschehen? Für Experten kommen eine Reihe von Ursachen in Frage, die sich gegenseitig noch verstärken. Zum einen ist natürlich Michelangelo selbst schuld, der offenbar minderwertigen Marmor verwendet hatte. Die Wollweberzunft in Florenz hatte ihn 1501 mit der Aufgabe betraut, aus dem riesigen Marmorklotz, der seit 1468 im Domgarten der Stadt lagerte, eine David-Figur zu schaffen. Es hatte sich schon ein weiterer Bildhauer an dem Block versucht - und aufgegeben. Was eine Erklärung für die seltsame Haltung der Hand sein könnte, mit der David die Schleuder hält. Jedenfalls waren schon die Ausgangsbedingungen nicht optimal.
Nach verschiedenen Attentaten - einmal wurde sein linker Arm zertrümmert, ein anderes Mal ging ein durchgeknallter Künstler mit einem Hammer auf seine Zehen los - machte dann ausgerechnet die große Schar der Bewunderer dem berühmtesten Marmormann zu schaffen - die ständigen Vibrationen und Erschütterungen der Tausenden Füße, die jeden Tag an ihm vorbeitrampeln. Mindestens so schlimm: das ferne Donnern des Straßenverkehrs, die Baustellen, das tägliche menschliche Beben der Großstadt.
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