EZB bereit für neue langfristige Kredite
Dienstag, 24.09.2013.
15:31
EZB-Präsident Mario Draghi ist grundsätzlich zu einer neuen Liquiditätsspritze für das europäische Bankensystem bereit. Sollte es nötig werden, um die lockere geldpolitische Ausrichtung der Zentralbank aufrecht zu erhalten, werde die EZB alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, "inklusive einer weiteren langfristigen Refinanzierungsoperation", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank am Montag im EU-Parlament in Brüssel. Die EZB hatte auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise Ende 2011 und Anfang 2012 den Banken Europas über zwei je drei Jahre lang laufende Kreditlinien eine Billion Euro zur Verfügung gestellt.
Inzwischen haben die Institute damit begonnen, dieses Geld wieder zurückzuzahlen. Dadurch sank die Überschussliquidität im Finanzsystem zuletzt spürbar von mehr als 800 auf nur noch 225 Mrd. Euro. Die EZB selbst rechnet damit, dass es ab einem Niveau von etwa 200 Mrd. Euro spürbare Auswirkungen auf das reale Zinsniveau gibt und die Marktzinsen steigen. Draghi sagte dazu: "Während die Rückzahlung von Krediten der Zentralbank ein Zeichen von Normalisierung ist, kann die daraus resultierende Reduzierung der Überschussliquidität einen gewissen Aufwärtsdruck auf die Marktzinsen ausüben. Wir werden diese Entwicklung besonders genau beobachten."
Zahlreiche Geldmarktexperten rechnen damit, dass die EZB sich wegen der anziehenden Zinssätze beim Geldverkehr zwischen den Banken schon bald zum Nachlegen gezwungen sieht. Nach einer neuen Reuters-Umfrage halten 13 der 22 befragten Geldmarkt-Händler ein neues - im Fachjargon LTRO genanntes - langfristiges Geldmarktgeschäft der EZB binnen Jahresfrist für gut möglich. Die EZB hat Anfang Juli versichert, dass sie die Zinsen in der Eurozone noch für einen längeren Zeitraum niedrig halten will. Steigende Geldmarktzinsen wirken aber wie eine indirekte Zinserhöhung. Aktuell steht der Leitzins bei 0,5 Prozent. Der EZB-Rat entscheidet kommende Woche das nächste Mal über seinen geldpolitischen Kurs

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