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Und wenn Banken Kleingedrucktes nicht lesen...

Quelle: B92 Montag, 12.08.2013. 00:01
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Podeli

Weil ein Mann im russischen Woronesch nicht mit den Bedingungen seines Kreditkartenvertrags einverstanden war, änderte er kurzerhand Teile des Kleingedruckten, druckte seinen eigenen Vertragstext aus – und die Bank unterschrieb ihn ungelesen. Die Änderungen blieben lange Zeit unbemerkt, bis das Kreditinstitut dem 42-Jährigen die Kreditkarte kündigen wollte. Wie die russische Nachrichtenseite "Russia Today" berichtete, landete der Fall vor Gericht. Dort bekam jedoch nicht das Kreditunternehmen Recht, sondern der Kunde: der geänderte Vertrag sei rechtskräftig.

Im Jahr 2008 hatte der Russe Dimitri Agarkow nach Angaben der Nachrichtenseite eine Kreditkarte beim Unternehmen Tinkoff Credit Systems beantragt. Die ihm zugesandten Unterlagen habe er eingescannt, das Kleingedruckte geändert und den neuen Vertrag unterschrieben zurückgeschickt. Die Zinsen und Gebühren habe er dabei auf null Prozent gesetzt, außerdem einen Passus eingefügt, er sei "nicht verpflichtet irgendwelche Gebühren oder Kosten zu zahlen". Das Kreditunternehmen habe die Änderungen nicht bemerkt und Agarkow seine Kreditkarte zugeschickt.

Zwei Jahre nutzte Agarkow den Angaben nach die Kreditkarte rege, bevor das Unternehmen sie wegen ausstehender Zahlungen kündigte. 2012 seien die nichtgezahlten Gebühren schließlich vor Gericht gelandet. Tinkoff Credit Systems habe versucht, umgerechnet 1000 Euro einzutreiben, doch das Gericht erklärte Agarkows selbstgeschrieben Vertrag für rechtskräftig und sprach dem Unternehmen nur die ausstehende Kreditrückzahlung von knapp 430 Euro zu.

"Die Kreditlinie war unlimitiert“, zitiert "Russia Today" Agarkows Anwalt. "Er hätte es sich leisten können, eine Insel irgendwo in Malaysia zu kaufen und die Bank hätte ihm rein rechtlich das Geld geben müssen." Agarkow dachte den Angaben nach sogar daran, im Vertragstext die Internetadresse mit den Geschäftsbedingungen zu ändern.

Zudem habe der neue Vertrag Geldstrafen beinhaltet, sollte die Kreditkartenfirma die Bedingungen von ihrer Seite aus ändern oder den Vertrag kündigen.

Mit Berufung auf diese Klauseln will Agarkov den Angaben nach nun seinerseits klagen: 24 Millionen Rubel, umgerechnet fast 550 000 Euro, verlange er für den Vertragsbruch seitens des Kreditunternehmens, außerdem eine Geldstrafe von umgerechnet 136 000 Euro für die Kündigung seiner Kreditkarte. Darauf will sich Firmengründer Oleg Tinkov auf keinen Fall einlassen. "Unsere Anwälte sind sich sicher, dass er keine 24 Millionen Rubel bekommt, sondern vier Jahre Haft wegen Betrugs", zitiert "Russia Today" einen Twitterbeitrag Tinkovs.

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