Marchionne will die Welt erobern - Fiat und Chrysler bereiten sich für den Börsengang?
Montag, 27.05.2013.
15:35
Spekulationen auf eine baldige Komplettübernahme von Chrysler haben Fiat am Montag Auftrieb gegeben. Die Aktien des italienischen Autobauers stiegen um bis zu 4,6 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 5,67 Euro und waren damit Spitzenreiter im Leitindex der Mailänder Börse.
Als Auslöser nannte Aktienstratege Vincenzo Longo vom Brokerhaus IG Markets einen Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ), demzufolge Fiat unter anderem mit der Deutschen Bank, Bank of America und Goldman Sachs Gespräche über eine Finanzierung eines solchen Deals führe. "Der Markt geht davon aus, dass die Geschichte in ihre heiße Phase geht", fügte Longo hinzu.
Ein anderer Börsianer verwies auf das mögliche Gesamtvolumen des Deals. Dem WSJ zufolge summierten sich die Komplettübernahme und der anschließende Börsengang von Chrysler in den USA auf 20 Milliarden Dollar. "Wenn dieser Wert korrekt ist, läge das Volumen des Börsengangs deutlich über den bisherigen Analystenschätzungen", betonte der Aktienhändler.
Marchionne will die beiden Unternehmen zusammenschließen, auch damit Fiat auf die Barreserven des Autobauers aus Michigan zugreifen kann. Chrysler ist profitabel und hat einen gesunden Cashflow. Fiat dagegen verliert im Zuge der europäischen Schuldenkrise und des desolaten Automarktes diesseits des Atlantiks Geld.
Es ist nicht klar, ob Fiat dann weiter in Europa notiert bleiben wird, oder ob Chrysler separat oder gemeinsam mit Fiat als fusioniertes Unternehmen gelistet wird. Die Notierung in den USA sei einer von mehreren Plänen, die derzeit von Fiat in Erwägung gezogen werden, sagten die Informanten. Es sei auch möglich, dass Marchionne sich dagegen entscheidet.
Marchionne ist der Ansicht, dass Fiat in der Lage ist, den Rest an Chrysler zu übernehmen, der derzeit einem gewerkschaftlich verwalteten Fonds gehört. Die beiden Parteien streiten sich derzeit vor Gericht über die Bewertung der Aktien. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird den Preis bestimmen, den Fiat für die ausstehenden Anteile berappen müsste. Es ist auch möglich, dass die Parteien sich gar nicht einigen.
Chrysler hatte 2009 Gläubigerschutz beantragt und ist schon seit 2007 nicht mehr an der Börse. Damals hatte Daimler den schwächelnden Autohersteller an den Finanzinvestor Cerberus Capital Management verkauft. Chrysler musste in der Finanzkrise von der US-Regierung ebenso gerettet werden, wie auch General Motors. GM ist 2011 an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Chrysler hat die Staatshilfen mittlerweile zurückgezahlt.

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