Goldpreis im freien Fall
Dienstag, 16.04.2013.
15:27
Gold ist seit vergangenem Freitag bereits um zehn Prozent gefallen. Das ist der größte Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der Kursrutsch setzte bereits am Freitagnachmittag ein. Am Montag beschleunigte sich die Talfahrt, der Goldpreis sackte um acht Prozent auf 1.356 Dollar ab.
Ein Schuldiger für den Einbruch war schnell gefunden: Mario Draghi. Der Präsident der Europäischen Zentralbank ließ durchblicken, dass Zypern einen Teil seiner Goldreserven verkaufen könnte, um den Eigenbeitrag zum geplanten Hilfspaket aufzubringen. Nicht dass die zyprischen Goldreserven so groß wären, dass ein Verkauf den Goldmarkt auf den Kopf stellen würde. Zypern besitzt insgesamt 13,9 Tonnen. Doch viele fürchten, dass der Goldverkauf Schule machen könnte. Wenn ein Krisenland wie Italien einen Teil seiner Goldreserven – immerhin 2.500 Tonnen – auf den Markt werfen würde -, wäre das eine ganz andere Dimension.
Neben der Zypern-Frage spielt auch eine Rolle, dass die Konjunktur in den USA zuletzt leicht angezogen hat, was viele Anleger auf ein Ende der Finanzkrise hoffen lässt. "Wo sind auf einmal die ganzen Experten hin, die in den vergangenen Jahren Gold als sicheren Hafen und Inflationsschutz angepriesen haben?", wundert sich Torsten Gellert, Deutschlandchef des Devisenbrokers FXCM. Weit und breit seien keine Optimisten mehr zu sehen.
In den vergangenen zwei Wochen warnten gleich mehrere Großbanken vor einem Preisverfall bei Gold. Entweder haben die Analysten eine gute Vorahnung gehabt. Oder ihre Prognosen werden nun zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Den Anfang machten die Franzosen von Societe Generale. Der Goldpreis befinde sich im "Blasen-Bereich", schriebe die Analysten in einer Studie am 2. April. Die Deutsche Bank senkte am vergangenen Dienstag ihre Goldprognose um zwölf Prozent und verwies darauf, dass "sichere Häfen" nicht mehr gefragt seien.
Einen Tag später legte Goldman Sachs nach. Nach einer zwölfjährigen Rally beschleunige sich der Trendwechsel im Goldpreis-Zyklus, schrieben die Analysten Damien Courvalin und Jeffrey Currie in einer Studie. Die Bank setzte ihr Kursziel für zwölf Monate auf 1.390 Dollar. "Eine deutliche Erholung des Goldpreises ist unwahrscheinlich, wenn es nicht unerwartet zu einem abrupten Ende der US-Erholung kommt." Die Überzeugung, Gold zu halten, schwinde.
Mehr und mehr Analysten stimmen dem inzwischen zu. "Der Einbruch bei Gold ist erst in einem frühen Stadium”, schreibt Georgette Boele, Rohstoffstrategin bei ABN Amro. „Während sich die Wachstumsaussichten verbessern, werden andere Anlagen deutlich attraktiver."
Die Nachfrage nach Gold war bereits im vergangenen Jahr gesunken, um vier Prozent auf 4405,5 Tonnen. Das geht aus den Zahlen des World Gold Council hervor. Damit lag die Nachfrage zwar immer noch auf hohem Niveau, doch der Trend war erstmals seit Jahren rückläufig. Besonders deutlich sank die Nachfrage der Investoren nach Goldmünzen und -barren. Der Rückgang hätte sogar noch stärker ausfallen können, wenn nicht die Zentralbanken der Schwellenländer mit Käufen dagegen gehalten hätten.

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