Barthaarverpflanzung als lukratives Geschäft in der Türkei
Mittwoch, 30.01.2013.
14:17
Immer mehr Männer aus arabischen und westeuropäischen Ländern unterziehen sich am Bosporus einer Haar- und Barthaartransplantation. Gut ausgebildete Ärzte, moderne Technik, erschwingliche Preise und die Attraktivität der Türkei als Urlaubsland bilden eine Mischung, die aus Istanbul ein internationales Zentrum zur Lösung von Haarproblemen gemacht hat.
Haar- und Barthaartransplantationen sind inzwischen ein boomendes Geschäft. 35 Mio. Euro hat die Barthaarverppflanzung nur im Vorjahr erbracht. In Istanbul gibt es mehr als 250 Kliniken, die solche Behandlung bieten.
"Ich habe viele Patienten aus Deutschland", erzählt Selahattin Tulunay, ein Arzt, der sich auf Haarbehandlungen und andere Schönheitsoperationen spezialisiert hat. Zu den Europäern, die ihre Glatze leid sind, kommen Araber, die sich nicht zuletzt aus religiösen Gründen einen schönen, sprießenden Bart verschaffen wollen. Die Taliban berufen sich ja auf den Propheten, wenn sie in ihrem Herrschaftsgebiet den Männern die Gesichtsrasur verbieten.
Sitzen beim Haarspezialisten westlicher Jugendwahn und islamische Traditionswahrung gemeinsam im Wartezimmer? Nein, sagt Tulunay. Es gehe um Selbstbild und Selbstachtung der Betroffenen, nicht um Eitelkeit oder Frömmelei. "Das ist kein Machoproblem", sagt er: "Ich habe hier erwachsene Männer weinen sehen." Fest steht, dass Haarausfall für viele eine so persönliche Angelegenheit ist, dass sie nur ungern darüber sprechen. Auch Tarik wollte sich nur telefonisch befragen lassen und seinen Nachnamen nicht nennen.
Manche Patienten fühlen sich ohne dichtes Haupt- oder Barthaar im Berufsleben nicht ernst genommen, andere wollen ihre Chancen bei der Brautschau verbessern, wieder anderen geht es um sich selbst: "Wenn Sie in den Spiegel schauen, wollen Sie doch mögen, was Sie sehen", sagt Reiseunternehmer Irfan Atik, der viele Haarpatienten aus arabischen Ländern nach Istanbul bringt.
Der Haar-Boom am Bosporus ist ein neues Phänomen. Besonders arabische Kunden haben die Türkei erst vor Kurzem für sich entdeckt. Inzwischen haben sich die Türken einen guten Ruf erarbeitet. Tulunay schätzt, dass jeden Tag etwa 50 Araber zwecks Haarbehandlung in Istanbul ankommen.
Je nach Bedarf kostet eine Operation zwischen 2000 und 4000 Euro. In Deutschland muss ein Patient für eine Transplantation häufig weit mehr hinblättern. "Wir haben Qualität wie in Europa, sind aber um 50 Prozent billiger", sagt Irfan Atik. Der bei guten Istanbuler Ärzten übliche Goldstandard bei der Haartransplantation ist die FUE-Technik – Follicular Unit Extraction. Dabei werden kleine Haar-Einheiten vom Hinterkopf entnommen und an der gewünschten Stelle eingepflanzt.

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