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Deurić: Zentrale Fragen vor der Auswahl von Technologie und Partner für den Bau von Kernreaktoren

Quelle: Nuklearna perspektiva Donnerstag, 15.10.2026. 12:29
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(FotoFooTToo/shutterstock.com)
Marija Deurić, Leiterin der Repräsentanz der staatlichen russischen Atomenergie-Konzerns Rosatom in Serbien, hob zentrale Aspekte technologischer Führung sowie die Perspektiven für die Entwicklung eines Nuklearprogramms hervor – mit besonderem Blick auf die Situation in Serbien. Wie Rosatom mitteilte, betonte Deurić, dass Serbien zwar kein Neuling auf diesem Gebiet sei, aber vor komplexen Entscheidungen stehe, die getroffen werden müssten, bevor eine konkrete Technologie ausgewählt werden könne.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Avignon, die sich mit der „Renaissance der Kernenergie“ und internationaler Zusammenarbeit befasste, ging Deurić gezielt auf die Herausforderungen für Länder ein, die neu in die Kernenergienutzung einsteigen oder ein entsprechendes Programm wiederbeleben wollen. Mit Blick auf die Lage in Serbien nach der Aufhebung des Moratoriums im Jahr 2024 unterstrich sie, dass der Aufbau echter nationaler Kapazitäten klare Antworten auf grundlegende Fragen erfordere – noch bevor ein Reaktor oder ein Technologiepartner ausgewählt wird:

„Bevor man sich für einen Reaktor oder einen Technologiepartner entscheidet, müssen zentrale Fragen geklärt sein: Warum benötigen wir Kernenergie? Welche Kapazität passt zu unserem Stromnetz? Wie finanzieren wir das Vorhaben? Wer wird das Kraftwerk betreiben? Und wer verfügt über das Fachwissen, um dieses Programm über die nächsten 60 bis 80 Jahre zu steuern? Die Rolle eines globalen Partners besteht nicht darin, Abhängigkeiten zu schaffen, sondern dabei zu helfen, Fehler zu vermeiden. Die Kontrolle über den Prozess muss jedoch stets bei der Regierung des jeweiligen Landes verbleiben“, betonte Deurić.

Sie verwies zudem auf die historischen Grundlagen, über die Serbien bereits verfügt – etwa durch die Tradition des Vinča-Instituts und das wissenschaftliche Erbe von Pavle Savić –, und betonte, dass Serbien keineswegs ein völliger Neuling in der Nuklearwissenschaft sei:

„Die Herausforderung besteht nicht darin, eigenes Fachwissen durch ausländische Erfahrung zu ersetzen, sondern darin, Universitäten, Forschungseinrichtungen und die Wirtschaft zu einem robusten nationalen Ökosystem zu vereinen. Technologie lässt sich importieren – doch zwanzig Jahre Erfahrung lassen sich nicht in nur zwei Jahren nachholen.“

Diese Ausführungen machte Deurić auf dem „International Youth Nuclear Congress“ (IYNC 2026) in Avignon, der unter dem Motto „Chain of Change“ (Kette des Wandels) stand. Die Veranstaltung brachte Experten aus mehr als 50 Ländern zusammen und wurde unter anderem von IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi eröffnet.

Neben der Situation in Serbien sprach Deurić auch über das Unternehmen, das sie vertritt. Bei der Darlegung der Kapazitäten von Rosatom wies sie darauf hin, dass der Konzern 28 der weltweit 32 im Export befindlichen Kernkraftwerksblöcke errichtet – was einem Anteil von fast 90 % am globalen Exportmarkt für den Bau von Kernkraftwerken entspricht. Zudem hob sie ein Projekt in Usbekistan hervor – das weltweit einzige seiner Art, das Reaktoren kleiner und großer Leistung kombiniert –, sowie die Fortschritte auf dem Weg zu einem vollständig geschlossenen Kernbrennstoffkreislauf. Darüber hinaus definierte sie moderne technologische Autonomie nicht bloß als die eigenständige Fertigung sämtlicher Komponenten, sondern als die Fähigkeit eines Staates, seine Handlungsoptionen zu verstehen, sein Programm selbst zu steuern und mit Partnern auf Augenhöhe zu verhandeln.

Das Portal „Nuklearna perspektiva“ (Nukleare Perspektive) kommentiert dazu: „Die in Avignon vermittelten Botschaften treffen genau den Kern der Herausforderung, vor der Serbien steht.“

„Die Entscheidung, das Moratorium aufzuheben, sowie das erklärte Bekenntnis zur Kernenergie sind wertlos, sofern sie nicht mit einer systematischen Wiederbelebung der heimischen Fachkompetenz und wissenschaftlichen Kapazitäten einhergehen. Nur durch die Schaffung eines inländischen Bildungs- und Wissenschafts-Ökosystems sowie die Stärkung des institutionellen Wissens kann Serbien in potenzielle Verhandlungen mit Technologiepartnern – sei es Rosatom, EDF, KHNP oder ein anderer Anbieter – als souveräner Investor eintreten, anstatt lediglich als passiver Käufer von Technologie aufzutreten", so die Einschätzung des Portals.
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