Volksbank International: 300 Mio. Euro von der Sberbank
Donnerstag, 26.04.2012.
23:09
Die russische Sberbank muss ihre jüngst erworbene Österreich-Tochter, die Volksbank International (VBI), mit neuem Kapital ausstatten. In nächsten Monaten wird die ehemalige Ost-Tochter der ÖVAG bis zu 300 Millionen Euro erhalten. Damit soll nicht nur die Kernkapitalquote deutlich erhöht, sondern auch die Expansion vorangetrieben werden.
"Wir schlagen einen starken Wachstumspfad für die kommenden Jahre ein", sagt VBI-Chef Friedhelm Boschert, dessen Vertrag um drei weitere Jahre verlängert wird. So soll bereits Ende 2013 die Bilanzsumme von derzeit zehn auf 13 Milliarden Euro steigen. In vier Jahren soll sie deutlich über 15 Milliarden Euro liegen.
Schaffen will dies die VBI über organisches Wachstum und mit Zukäufen. Wo Institute erworben werden, wird die Bank in ihrem Langfristplan bis zum Sommer festmachen. "Wir werden alle Länder einzeln durchgehen und dann entscheiden", sagt Irakli Chogovadze, zuständig für das Auslandsgeschäft der Sberbank. Einen Kauf von Banken der verstaatlichten Hypo Alpe Adria schloss er nicht aus.
Wien wird für die Sberbank als Drehscheibe für das Geschäft in Zentral- und Osteuropa dienen. Die VBI, die künftig unter einem neuen Namen firmiert, wird selbst auch von Wien aus Geschäfte betreiben. Bisher fungierte sie lediglich als Holding, in Zukunft will sie als Vollbank am Markt auftreten - wenn die Finanzmarktaufsicht zustimmt. "Wir wollen damit neue Geschäftsfelder erschließen und uns etwa um große Firmenkunden kümmern", sagt Boschert. Ins Retail-Business wird die Bank in Österreich dagegen nicht einsteigen.
Die russischen Eigentümer haben sich neben dem Automanager Sigi Wolf, der den Aufsichtsratschef bei der VBI innehat, noch einen prominenten Ex-Banker in das Kontrollgremium geholt. Der ehemalige Bank Austria-Chef Gerhard Randa wird als einfaches Mitglied die Geschäfte der Volksbank International kontrollieren. Die restlichen Mandate werden von Sberbank-Managern besetzt, wobei zwei, Maria Bykova und Valentin Mihov, in den VBI-Vorstand wechseln werden. Die Führungsmannschaft wird voraussichtlich fünf Vorstände umfassen, alle bisherigen Manager wurden bestätigt.
Die Sberbank hatte im Februar die Volksbank International exklusive der rumänischen VBI-Tochter, um 505 Millionen Euro gekauft. Die Bank ist in acht Ländern im Osten tätig und verfügt über insgesamt 295 Filialen. Im Vorjahr hat die VBI einen Verlust erzielt. Wie hoch dieser ausfiel, wollte der VBI-Chef nicht sagen. Im ersten Quartal hätten jedoch alle Institute positiv bilanziert.

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