Mopp statt Aerobic - Fit werden durch Putzen
Dienstag, 31.01.2012.
08:33
"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann", heißt es bei Schillers Wilhelm Tell. Handwerklich weniger anspruchsvoll dichtet man heute: "Der Mopp im Schrank erspart das tägliche Workout".
Dem langjährigen Fitness-Fan, Amerikaner Steve Markovich, fiel unlägst ein, dass er beim Putzen auch viele Aerobic-Übungen machen könnte.
Seine Erfindung "Aerobic House Cleaning" besteht aus Serien von Übungen, die auf Hausarbeiten wie Staubsaugen, Staubwischen und Fensterputzen beruhen.
- Wir verbrauchen Millionen Dollar jährlich in Fitness-Klubs, für Sportgeräte und dumme Diätpillen - sagt der 57-jährige IT-Analytiker. Sein Fitness-Programm verlangt keine besondere Sportausrüstung, sondern nur einen guten Willen, betont er.
- Ich möchte Menschen eine einfachere und preiswertere Methode zum Abnehmen und Fit-Werden zeigen, erklärt er.
Auch Sportwissenschaftler finden die Putzgymnastik sinnvoll, da sie die Wirbelsäule stärke. Aber, so wenden sie ein, das Putzen laufe oft zu unregelmäßig ab, um das Herz-Kreislauf-System auf Trab zu bringen. Wichtig ist also, dass man die Bewegung fließen lässt und rhythmisiert.
Um den richtigen Schwung zu bekommen, kann man die Stereoanlage aufdrehen – die einen brauchen hämmernden Rock, zarte Gemüter inspiriert dagegen ein langsamer Walzer oder ein Paso doble.
Eine halbe Stunde Fensterputzen verbraucht zum Beispiel 90 Kalorien, 30 Minuten Staubsaugen sogar 105. Der Tanz mit dem Schrubber verbraucht 250 Kilokalorien pro Stunde und ist damit genauso effektiv wie Aerobic.
Der Staubsauger sei für Steve Markovich ein universales Sportgerät. Man kann mit ihm Kniebeugen, Liegestütze u.a. üben.
Beim Putzen streckt und beugt man sich in alle Richtungen, zur Decke, in die Ecke, von Bank zu Schrank, lässt das Becken kreisen und dehnt dabei ganz nebenbei Sehnen, Bänder und Gelenke.
Beim Abwaschen lassen sich durch Anspannen der Pobacken zudem Übungen für die "Problemzonen" integrieren, und wer beim Staubwischen mit den Füßen wippt, tut gleich etwas für die Waden.
Das Wechseln der Bettwäsche wiederum stärkt die Armmuskeln, und Treppensteigen kräftigt die Oberschenkel.
Als eine der besten Übungen für Bauch-, Rücken- und Beckenbodenmuskulatur gilt das Bodenwischen in der Hocke. Die Wissenschaftler merken aber an, dass dies für Untrainierte aber nur bedingt geeignet sei, da die Kniegelenke dabei stark belastet würden.
Zusätzlich müsse man darauf achten, dass der Rücken beim Aufstehen gerade bleibt. Kurzum: Eine aufrechte und lockere Putzhaltung verhindert den Bandscheibenschaden. Das Wischen in der Hocke ist die Königsdisziplin - etwas für wahre Putzprofis! Auch bei der Putzgymnastik muss man den Körper langsam aufbauen.
Wenn sich das Heimtraining durchsetzt, werden sich Mann und Frau bald um das Putzen streiten. Nur gut, dass es ausreichend Hausarbeit gibt, denn, so wussten schon die großen Dichter, der Geist vergeht, der Staub besteht.

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