Weinstraße führt nach Ostserbien - Weinkeller in Negotin bald in der UNESCO-Welterbeliste?
Mittwoch, 07.07.2010.
02:16
(Kellereien in Rogljevske pivnice)
Die serbische Denkmalsschutzbehörde hat die Weinkeller in Negotin - "Pivnice" - für die Welterbeliste der UNESCO kandidiert. Es handelt sich eigentlich um einzigartige Niederlassungen in der Gegend "Negotinska krajina" in Ostserbien, bekannt durch von Familien betriebenen Weingüter und -keller. "Pivnice" haben sich in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Reiseziele von Weinliebhabern in Serbien entwickelt.
Sie wurden zum ersten Mal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschrieben. Bis heute blieb es unbekannt, wann die ersten Kellereien in dieser Gegend gebaut worden waren. Es handelt sich aber um eine uralte Weingegend, weitbekannt für ihre hochwertigen Erzeugnisse. Dorfbewohner, die Wein angebaut, verarbeitet und verkauft hatten, haben oft neue Weinkeller unweit von ihrem bisherigen Wohnsitz gebaut als sekundäre Siedlungen.
Mit dem Wort "pivnica" oder "pimnica" bezeichnet man heute nicht nur Weinkeller, in denen man Wein aufbewahrt und zum Trinken bekommt (trinken - "piti"/ Trinken Wir - "pimo"- "pimnica"), sondern auch Dörfer, die durch solche Weinkeller weit bekannt geworden sind. Nur einige von diesen Siedlungen nordwestlich und südlich von Negotin haben bis heute überlebt - Rajacke, Rogljevačke (Rogljevske), Štubicke und Teile von Smedovačke. Verschwunden sind Badnjevske, Rečanske, Trnjanske, Sikolske, Bratujevačke und Mokranjske sowie viele andere, deren Namen man vergessen hat.
(Weinkeller "Rajevačke pivnice")
Die Tatsache, dass Weinkeller meistens monumentaler und aus besserem Baustoff als Wohnhäuser gebaut sind, beweist, wie wichtig diese sekundäre Siedlungen für die Bevölkerung in dieser Weingegend gewesen waren. Jeder Haushalt hatte mindestens einen und häufig mehrere Weinkeller betrieben. Wie eng verbunden man mit diesen Weinkellern war, beweist ein Friedhof in der Nähe von "Rajacke pivnice". Man hat seine Toten lieber hier als neben ihrem Geburtsort bestattet.
Der Festtag des heiligen Schutzpatrons der Weinbauer Triphun und Pfingsten wurden immer in diesen Siedlungen gefeiert. Man hat früher am Festtat des heiligen Triphun in Weingärten gegangen, um Weinrebe und Brenessel zu pflücken und den heiligen Schutzpatron um Schutz und Segen zu bitten. Das Fest wurde später im Zentrum von "Pivnica", in der Nähe des heiligen Baums, gefeiert. Ein feierlicher Umzug von Geistlichen und Dorfbewohnern zog am Pfingsten um das ganze Dorf und endete im Zentrum von "Pivnica". Alle Weinkeller waren an diesem Festtag offen. Diese Festtage werden auch heute nach altem Brauch gefeiert.
- "Štubićke pivnice" und Friedhof "Rajačko groblje" wurden noch 1980 und "Rajacke pivnice" und "Rogljevske pivnice" 1983 zum Kulturgut erklärt und unter Denkmalschutz gestellt. Man hat sich damals als eine räumliche Einheit von großer kulturellen und geschichtlichen Bedeutung für die Republik Serbien erkannt. Wir haben die Kellereien in Negotin für die Welterbeliste der UNESCO kandidiert - erzählte Bosiljka Tomašević, Architektin in der Denkmalsschutzbehörde der Republik Serbien in einem Interview für das Wirtschaftsportal "eKapija".
Für Schutz und Aufbewahrung dieser ländlichen Agglomeration als kultur-geschichtliche Einheit von großer Bedeutung für die Republik Seriben sind die Denkmalsschutzbehörde der Republik Seriben und das Denkmalsschutzamt der Stadt Niš zuständig, erklärte sie.
- Der Staat hat sich in den letzten dreißig Jahren sehr wenig um diese Komplexe gekümmert. Das gilt für alle Beispiele für die traditionelle volkstümliche Architektur. Erst vor zwei Jahren hat man die Rekonstruktion einer Kellerei in Rajac finanziert. Die Gemeinde Negotin hat auf Empfehlung der Denkmalsschutzbehörde die Erstellung von Plänen gestartet - sagte Tomašević.
Geplant ist die Rekonstruktion und Sanierung von "Pivnica 92", ein Teil des Komplexes "Rogljevacke pivnice", mit Hilfe der schwedische Nichtregierungsorganisation "Cultural Heritage withaut Borders".
In Rogljevo gibt es 122 Objekte. 40 werden für die Herstellung von Wein genutzt und andere 8 dienen als gastwirtschaftliche Objekte und Ausstellungsräume. Früher gab es mehr als 300 Keller, aber viele von ihnen wurden inzwischen durch Feuer zerstört oder von ihren Inhabern verlassen - insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg.
In der Weingegend Negotin gibt es fast 1000 ha unter Weinrebe. Hier werden, unter anderem, mehrere autochthone und alte Weinsorten gebaut: "Bagrina", "Zacinak", "Prokupac", "Vranac" und "Smederevka".
Weine aus dieser Gegend wurden im 19. Jahrhundert nach Frankreich, England und in die Schweiz ausgeführt. Die Bewohner hoffen auf die Wiederbelebung der Weinproduktion und der Kellereien in der Gegend sowie auf die Entwicklung des immer populäreren Weintourismus. Der Staat könnte viel für die Verwandlung dieser Gegend in ein attraktives Reiseziel tun.
Welterbe
Das von der UNESCO erfasste Welterbe setzt sich aus dem Weltkulturerbe und dem Weltnaturerbe zusammen. Einmal im Jahr, normalerweise Anfang Juli, trifft sich das World Heritage Committee, um über die Aufnahmeanträge (Tentativliste) der Staaten für die Welterbeliste zu entscheiden. Das Komitee kann Vorschläge zur Aufnahme von Stätten annehmen, ablehnen oder vertagen und weitere Informationen vom beantragenden Staat fordern. Die Welterbeliste der UNESCO wird fortlaufend publiziert.
In die Welterbeliste werden nur Stätten aufgenommen, die nach Meinung des Welterbekomitees herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen haben. Bei der Entscheidung über die Aufnahme werden die übergreifenden Kriterien der Einzigartigkeit, der Authentizität (historische Echtheit) und der Integrität (Unversehrtheit) angewendet, in Verbindung mit einem oder mehreren von insgesamt zehn UNESCO-Kriterien.
Mit dem Beitritt zur Konvention verpflichten sich die Vertragsstaaten, die Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen der Welterbestätten auf ihrem Hoheitsgebiet eigenständig zu finanzieren. Für Staaten, die nur über begrenzte Mittel verfügen, wurde im Rahmen der Konvention der Welterbefonds eingerichtet.
Republički zavod za zaštitu spomenika kulture Beograd
UNESCO Paris France
Zavod za zaštitu spomenika kulture Niš

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