Helikopter-Geld als Rettung für europäische Wirtschaft
Ursprünglich stammt die Idee von dem späteren Nobelpreisträger Milton Friedman. Er hatte 1969 das Bild vor Augen, dass Helikopter Geld über einer Stadt abwerfen.
Die Notenbank soll mit neu gedrucktem Geld direkt Staatsausgaben finanzieren, beispielsweise dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur, Renovierung von Schulgebäuden und Ähnliches. Zudem könnte die Notenbank den Schuldendienst des Staates übernehmen, die Zinsen zahlen und, wenn eine Staatsanleihe ausläuft, die Besitzer der Anleihen ausbezahlen, ohne dass für diesen Zweck eine neue Staatsanleihe begeben werden müsste. Der absolute Schuldenstand des Staates würde sich damit verringern.
Zudem gibt es die Idee, dass im Falle einer schweren Krise jeder Bürger eine erhebliche Summe frisch gedruckten Geldes bekommt, beispielsweise 5000 Euro, mit denen er Schulden bezahlen, sparen, Aktien kaufen oder seinen Konsum erhöhen kann.
Solche Programme sollen nur solange laufen, bis die gewünschte Inflationsrate von zwei Prozent erreicht ist. Die Weltwirtschaft soll damit wieder in normale Bahnen mit normalen Zinssätzen und normalem Wachstum gelenkt werden. Entscheidend ist, dass dieses Geld nicht zurückgezahlt werden muss.
In den vergangenen Monaten haben sich dann immer mehr hochrangige Experten zu Wort gemeldet, um das Konzept zu vertreten, so Anfang November 2015 auf der Forschungskonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dort wiederholte Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktaufsicht FSA, die Zentralbanken sollten zu einer sogenannten "monetären Finanzierung" übergehen, wie das Konzept sonst noch genannt wird. Die Nachfrage solle dadurch stimuliert werden, dass der Staat mehr Geld ausgibt und dieses Mehr direkt von der Notenbank überwiesen bekommt, ohne dass das Geld zurückgezahlt werden muss.
Turner verwies dabei aber auf das Risiko, dass Staaten, die dieses Instrument einmal einsetzten, Gefahr laufen, es wieder und wieder einsetzen zu wollen. Turner hat seine Ideen zuletzt in seinem Buch "Between Debt and the Devil" ausgeführt. Darin warnt er vor der Vorstellung, hohe Schulden seien bei niedriger Inflation kein Problem. Es drohten vielmehr Preisblasen an den Immobilienmärkten, Finanzkrisen und anschließende Rezession. Ein Ausweg sei die Druckerpresse.
Turner ist bei weitem nicht alleine mit seinen Vorstellungen. Rückendeckung erhielt er auf der IWF-Konferenz vom ehemaligen schwedischen Vizenotenbankchef Lars Svensson, berichtet die NZZ.
Auftrieb bekam das Konzept jetzt, weil Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), sich dazu geäußert hat. Draghi, war in der jüngsten Pressekonferenz am 10. März auf "Helikoptergeld" angesprochen worden. Draghi antwortete, man habe im Zentralbankrat bisher nicht darüber nachgedacht oder gesprochen, sprach aber auch von einem "sehr interessanten Konzept", das derzeit unter anderem unter akademischen Ökonomen diskutiert werde und auch "viele verschiedene Dinge" bedeuten könne.
Nicht vergessen sind die Worte Draghis 2012, als er versicherte, die EZB werde "alles Notwenige tun" - "whatever it takes" -, um den Euro zu erhalten. Seither hat er immer weitergehende Maßnahmen verkündet, ohne dass die Wirtschaft in der Eurozone in Schwung kommt und das Inflationsziel unter, aber nahe zwei Prozent erreicht hat.

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