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Investitionen stabil, Bereitschaft zu Neueinstellungen geht leicht zurück - Vorteile des Reformprozesses werden noch nicht von allen deutschen Unternehmen wahrgenommen

Quelle: eKapija Mittwoch, 22.04.2015. 12:15
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(Martin Knapp, Ronald Seeliger und Heinz Wilhelm auf der Pressekonferenz)

Die Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Serbischen Wirtschaftsvereinigung schauen weiterhin mit gedämpftem Optimismus in die Zukunft. Bei der Bewertung der Standortfaktoren beklagen die befragten Unternehmen, wie in den Vorjahren, Defizite bei der Rechtssicherheit, die Unberechenbarkeit der Wirtschaftspolitik und der öffentlichen Verwaltung. Die Bereitschaft der Unternehmen, neue Mitarbeiter anzustellen, geht leicht zurück. Die Vorteile des vor einem Jahr eingeleiteten Reformprozesses werden noch nicht von allen Unternehmen wahrgenommen.

Die Ergebnisse der 10. Konjunkturumfrage der Deutsch-Serbischen Wirtschaftsvereinigung präsentieren und kommentierten Martin Knapp, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Serbien, Dr. Ronald Seeliger, Präsident der DSW und Geschäftsführer der Hemofarm a.d. und der deutsche Botschafter, Herr Heinz Wilhelm auf der Pressekonferenz am 21.04.2015. Die Umfrage umfasste 101 Unternehmen, und das ist die größte Zahl so weit.

- Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Serbiens und zählt zu den Top-Investoren in Serbien. Mit einem Zuwachs von 6,1% im Vergleich zum Vorjahr hat der deutsch-serbischen Warenaustausch einen Umsatz von fast 2,96 Milliarden Euro verzeichnet und nähert sich damit der 3 Milliarden-Marke - sagte Knapp und erinnerte daran, dass es in serbien 370 Unternehmen mit dem deutschen Kapital gibt, die mehr als 25.000 Mitarbeiter beschäftigen.

In diesem Jahr soll die Deutsch-Serbische Auslandshandelskammer, die erste bilaterale Handelskammer in Serbien, gegründet werden, in der die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Serbien und die Deutsch-Serbische Wirtschaftsvereinigung mit ihren rund 300 Mitgliedern aufgehen werden. Knapp kündigte ein großes Treffen am 9. Juni dieses Jahres in München an, als Chance, serbische Unternehmen den deutschen vorzustellen. Deutsche Unternehmen zeigen besonders großes Interesse für die Verarbeitungsindustrie und "man arbeitet daran, für deutsche Unternehmen entsprechende Zulieferer in Serbien zu finden.

Dr. Ronald Seeliger, Präsident der Deutsch-Serbischen Wirtschaftsvereinigung und Geschäftsführer der Hemofarm a.d. fasste die Ergebnisse der Konjunkturumfrage bei der Pressekonferenz zusammen.

- Laut der Umfrage hat sich die Einschätzung zur allgemeinen Wirtschaftslage in Serbien für 2015 im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Von den 100 Umfrageteilnehmern erwarten für das laufende Jahr etwa zwei Drittel eine schlechte wirtschaftliche Lage. Nur 10% der Befragten erwarten eine Verbesserung Wirtschaftslage in 2015 im Vergleich zu 2014. Leider kommen, wie auch in den Ergebnissen der letzten Jahre, seit der weltweiten Krise 2008/09, keine konkreten positiven Konjunkturhoffnungen auf.





Die Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Serbischen Wirtschaftsvereinigung schauen weiterhin mit gedämpftem Optimismus in die Zukunft. Darauf Einfluss dürfte auch haben, dass die konkreten Auswirkungen des im Frühjahr 2014 durch die serbische Regierung in Angriff genommenen Reformprozesses nach Ansicht vieler Unternehmen noch auf sich warten lassen. Gut 42% der Befragten zeigten sich hier unzufrieden. Für rund 44% verläuft der Reformprozess hingegen befriedigend. Nur knapp 14% der Befragten beurteilen ihn als gut.

Positiv festzuhalten bleibt hingegen, dass die Beurteilung der eigenen Geschäftslage lange nicht so schlecht ausfällt wie die der allgemeinen Wirtschaftslage: Die eigene Geschäftslage bewertet über ein Drittel als gut, fast 60% als befriedigend und nur bei 4% sieht es schlechter aus. Weniger optimistisch als im Vorjahr, jedoch immer noch mit einem positiven Trend, blicken die deutsch-serbischen Unternehmen auf das laufende Jahr: Weniger als die Hälfte der Befragten rechnet mit einer Verbesserung der Situation ihrer Unternehmen, 50% prognostizieren eine unveränderte Geschäftslage. Nur 7% gehen von einer Verschlechterung im Vergleich zu 2014 aus.

Die gedämpften Erwartungen für die eigene Geschäftsentwicklungen schlagen sich auch bei den Beschäftigungs- und Investitionsplänen nieder: Erwartete letztes Jahr fast jedes zweite Unternehmen höhere Beschäftigungszahlen (Neueinstellungen), ist es in diesem Jahr nur noch jedes dritte. Bei 47% der Unternehmen werden keine Änderungen in Bezug auf die Beschäftigtenzahl erwartet. 17% der Befragten, doppelt so viel wie im letzten Jahr, gehen gar von sinkenden Beschäftigungszahlen in ihren Unternehmen aus. Ähnlich wie im letzten Jahr wollen 39% der Unternehmen auch in 2015 mehr investieren. Mit 22% gehen im Vergleich zum Vorjahr etwas mehr der Befragten von sinkenden Investitionsausgaben aus. Im Rahmen der Umfrage in 16 Staaten Mittel- und Osteuropas wurden die Teilnehmer auch um ihre
Einschätzung der jeweils anderen MOE-Staaten gebeten. Serbien landete hier bei insgesamt 20 zu bewertenden Ländern als bevorzugter Wirtschaftsstandort auf dem 11. Platz.

- Es ist ein gutes Zeichen, dass ein Großteil der Unternehmen, trotz einiger Schwierigkeiten, die eigene Geschäftslage als befriedigend bewertet. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, nicht nur in Serbien, ist die Sicherheit in die Zukunft des eigenen Unternehmens mehr als wichtig. Bezeichnend für das Wirtschaftsklima und die allgemeine wirtschaftliche Perspektive ist die bemerkenswerte Anzahl an Unternehmen, die die Effekte der Reformen nicht wahrnimmt. Dies stellt einen guten Ausgangspunkt für eine Analyse des bisherigen Reformprozesses dar. Dieses Jahr haben die Unternehmen, wie auch in den Vorjahren, fast identische Standortkriterien als unzureichend bewertet: Öffentliche Verwaltung, Rechtssicherheit, Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen und Korruptionsbekämpfung. Ich wiederhole meine Aussage vom letzten Jahr. All dies behindert langfristiges Planen und führt zu
Ungewissheit bei Geschäftsleuten und Unternehmen.

Ungeachtet der aufgeführten Probleme ist es ermutigend, dass fast 90% der in Serbien tätigen Unternehmen wieder in Serbien investieren würden und das ist eine wichtige Botschaft an potentielle Investoren. Wir sind bereit, der serbischen Regierung bei der
Durchführung der Reformen zu helfen, weil ich davon überzeugt bin, dass nur mit einem gemeinsamen Handeln eine wesentliche Verbesserung des Geschäfts- und Investitionsklimas in Serbien möglich ist, was etztendlich auch neue Investitionen anzieht.

Der Präsident der Deutsch-Serbischen Wirtschaftsvereinigung und Geschäftsführer lobt die Initiativen der Regierung Serbiens, weist aber auch auf Probleme bei ihrer Umsetzung hin. Als Beispiel nennt er das neue Planungs- und Baugesetz, das sie Erteilung von Baugenehmigungen innerhalb von 28 Tagen garantiert. Als großes Problem haben sich die Bedingungen für die Baugenehmigung bzw. die Beantragung der Baugenehmigung erwiesen. Dieses Verfahren dauert zu lang und verlang zahlreiche Unterlagen.

Der deutsche Botschafter in Serbien, Heinz Wilhelm, ist der gleichen Meinung. Der Reformprozess muss beschleuningt werden.

- Trotz der wagemutigen Reformschritte hat man die Wirtschaft nicht in Aufschwung gebracht. Ich bin der Meinung, dass es an richtige Stimmung fehlt - am Unternehmergeist, der hier mit der Zeit verloren gegangen ist. Reformgesetze zeigen in die richtige Richtung, aber sie sollten entschlossener angewandt werden - sagte Wilhelm und lobte die Regierung für die Verabscheidung des Arbeitsgesetzes, obwohl es noch nicht zum wirtschaftlichen Aufschwung und Wachstum führte.


Wenn man bereits in Serbien tätigen Unternehmen danach befragt, ob sie das Land wieder als Investitionsstandort wählen würden, antworteten 88% (92% 2014) positiv. Das heißt, dass diejenigen, die bereits in Serbien investiert haben, eine bessere Meinung von dem Land haben als die Unternehmen ohne eigenes Serbien-Engagement.

Die Deutsch-Serbische Wirtschaftsvereinigung führt jährlich die Konjunkturumfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen durch. Die Konjunkturumfrage begleiten immer wiederkehrende Forderung nach Anpassung und Verbesserung von wichtigen Rahmenbedingungen, die die Standortqualität und das Potenzial für Investitionsvorhaben in Serbien bestimmen.

Die Konjunkturumfrage wurde das fünfte Jahr hintereinander vom Deutsch-Serbischen Wirtschaftsvereinigung durchgeführt.

I.B.

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